Donnerstag, 10. Oktober 2013

Der Literatur-Nobelpreis – ein wenig transparentes Mittel der Politik? 2013: Alice Munro aus Kanada in Stockholm ausgezeichnet! Material zu einer kritischen Debatte

Der Literatur-Nobelpreis – ein wenig transparentes Mittel der Politik?

http://www.fnweb.de/region/main-tauber/bad-mergentheim/carl-gibson-gegen-herta-muller-1.1251813

Der Literatur-Nobelpreis 2013 geht an Alice Munro aus Kanada:


http://www.sueddeutsche.de/kultur/kanadische-schriftstellerin-alice-munro-erhaelt-literaturnobelpreis-1.1791689



Korrektur?

Clarus et distinctus - Ein Gegengewicht zur nebulösen Irrationalistin und Dadaistin Herta Müller!

http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Munro


Es gibt Themen, die bleiben immer aktuell. Eines dieser Themen ist der ethisch definierte Nobelpreis, der für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft (Frieden) und Literatur vergeben wird.

Leider stiftet dieser Preis des späten Philanthropen Alfred Nobel, der eigentlich die Humanität fördern und das Harmoniestreben zwischen den Völkern stimulieren soll, nicht immer Eintracht unter den Nationen.


Ganz im Gegenteil:

Er bringt sie sogar gegeneinander auf, weil die Vergabe-Kriterien nicht eng definiert sind und weil die Rivalitäten unter den so genannten Leitnationen der Welt groß, ja unüberbrückbar sind,
bestimmt durch zwei vernichtende Weltkriege,
durch die fundamental entgegengesetzten Ideologien von freiheitlicher Demokratie und kommunistischen Diktaturen
sowie durch den Nord- Süd-Konflikt zwischen armen Staaten,
Entwicklungsländern und den „Happy few“ der Westlichen Welt.

Am 11. 10. 2012 wurde die Entscheidung des Nobelpreiskomitees verkündet:

der Nobelpreis für Literatur geht an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan

http://de.wikipedia.org/wiki/Mo_Yan



Im Jahr 1982, ich studierte damals Politik und Philosophie in Tübingen, griff ich das große Thema zum ersten Mal auf, um es für die gemeinsame – mit drei guten Bekannten herausgegebene Kulturzeitschrift „nomen“ aufzuarbeiten. Die zweite Ausgabe des idealistischen Projekts, das – wie so viele ähnliche Initiativen – an den Finanzen scheiterte, widmete sich dem Schwerpunkt „Manipulation“, primär in unserem Ressort, in Kunst und Kultur, wo auch schon damals über Einflussnahme und Machtausübung, viel Geld verdient, Künstler gemacht und Künstler vernichtet wurden.

Nach einigen Recherchen lag mein Beitrag vor:

 „Nobelpreise – eine Form der Manipulation?

Das fragte ich damals – und das frage ich mich immer noch, obwohl ich – nach einem langjährigen Kampf gegen eine falsche Nobelpreisnominierung heute andere Erfahrungswerte einbringen kann als 1982, als alles weitgehend graue Theorie war und ich, ein Jüngling von 22 Jahren, gerade einmal zwei Jahre in der Bundesrepublik lebte, frisch eingetroffen aus dem rumänischen Banat – als ehemaliger Bürgerrechtler aus kommunistischen Folterzellen, im Augenblick damit beschäftigt, neben der Herausgabe eine Zeitschrift und dem Studium auch eine völkerrechtliche Beschwerde der UNO von Genf aus gegen das immer verbrecherischer agierende Regime von Diktator Ceausescu auf den Weg zu bringen.

Da „nomen“ bereits nach der ersten Edition aufgegeben werden musste, erschien mein knapper Essay erst im Jahr 1984, namentlich in der Berliner Literaturzeitschrift „Vis-á-Vis“, die im Laser-Verlag herausgegeben wurde. Ich habe den vor dreißig Jahren verfassten Beitrag aus der Vor-Computer-Zeit wieder umgetippt, neu erfasst und hier auf meinem Literaturblog veröffentlicht.
Während des Umschreibens im Zeitlupentempo wurden mir erneut einige Grundzüge bewusst, essentielle Ideen zur Nobelpreisvergabe in Stockholm, die ich seinerzeit aus dem historischen Kontext  (etwa 80 Jahre Literaturnobelpreis) heraus erfasst hatte, die aber auch heute noch gültig und bestimmend sind:

Der Nobelpreis ist ein Preis des Westens, der sich an abendländischen Kultur und Wertvorstellungen orientiert.

Der Literatur-Nobelpreis ist oft eine politische, ideologisch determinierte Auszeichnung, kurz ein Mittel der Politik, der politischen Einflussnahme.

Die Auswahl der Kandidaten, die Nominierung und die Durchsetzung des Nobelpreises ist eine elitäre, intransparente, von starken Lobbyisten beeinflusste und gesteuerte Angelegenheit, die also in ihrem Wesen undemokratisch ist und deren Kriterien der Wertung und Auswahl objektiv nicht nachvollziehbar sind.

Bestimmte Kandidaten einzelner Nationen werden heimlich, ohne demokratische Aussprache nominiert und dann forciert von Lobbyisten durchgeboxt, von Akteuren der Wirtschaft und Politik, hinter welchen Großverlage und Medienanstalten stehen und nicht selten politische Interessen einflussreicher Regierungen großer Staaten.

Die vielen kleinen Nationen, die diesen Apparat, diese Macht- und Einflussstrukturen nicht aufbringen können, die an der Stockholmer Akademie keinen Fuß in der Tür haben, diese Völker der Welt haben das Nachsehen bei der Nobelpreisvergabe.

Ein Extrembeispiel einer Fehl-Auszeichnung und eines falschen moralischen Signals war die Prämierung von Herta Müller, die im Namen der Bundesrepublik Deutschland, also einer großen und einflussreichen Wirtschaftsnation von dem Politiker und Medienmanager Michael Naumann (SPD) nominiert worden war – bei starker Unterstützung aus den konservativen Lager (KAS der CDU)

Da der Nobelpreis für Literatur ethisch definiert ist und den Anspruch erhebt, moralische Impulse in alle Welt auszusenden, kam die Preisverleihung an die aus meiner Sicht moralisch nicht integere Herta Müller einer Katastrophe gleich.

Herta Müller hat weite Teile ihrer angeblichen Verfolgung in der kommunistischen Diktatur selbst erfunden, selbst erdichtet und so die breite internationale Öffentlichkeit hinters Licht geführt, getäuscht. Ihr literarisch fragwürdiges, schmales Oeuvre wird stets mit einer oppositionellen Haltung verknüpft, mit Ethos und Werten, die nicht der Realität entsprechen.

Bereits in der Nominierungsphase habe ich über Jahre öffentlich an vielen Stellen diese mir unverständliche Nominierung hinterfragt, vor und nach der Nobelpreisvergabe.

Einige Thesen dazu, unmittelbar nach den Auszeichnungen von Herta Müller und Llosa in Kurz-Kommentaren formuliert, will ich hier erneut zur Diskussion stellen, als Denkansätze, als Ideenpool, als ergänzendes Material für die künftige kritische Herta Müller-Forschung bzw. um die Debatte über den „Nobelpreis“ an sich und den Nobelpreis für Literatur  im Besonderen weiter anzuregen und mit Fakten zu bestücken.







Foto: Privatarchiv Carl Gibson



Carl Gibson mit der "Symphonie der Freiheit" auf der Buchmesse in Frankfurt 2008.









Auszüge aus meinen Kommentaren zur Nobelpreis-Thematik, unter spezieller Berücksichtigung der Auszeichnung von Herta Müller.
Die Originale können in der Regel im Internet gefunden und eingesehen werden. Die Beiträge, die in welchen oft aufgrund der Zeichenbegrenzung nur ganz knappe Thesen formuliert werden konnten, bleiben an dieser Stelle unkommentiert. (Um die Lesequalität zu erhöhen, wird das Layout optimiert. Kleine Tippfehler wurden nachträglich korrigiert.)




(Die Spiegel-Online Redakteure haben seinerzeit einem meiner Gegenspieler im Forum das „letzte Wort“ überlassen – ich durfte nicht mehr antworten, doch bis dahin wurden einige besonders wichtige Kommentare aus meiner Feder zugelassen, die auch heute noch aktuell sind.


SPIEGEL-Online:

9. 10. 2010.

Fragen an Herta Müller

Der Lebenslauf von Herta Müller bis 1987 ist unvollständig. Es fehlen genaue, überprüfbare Daten, wann, wo und in welcher Funktion sie bis zur Ausreise gearbeitet hat. Ihre Abschlussarbeit an der Universität Temeswar ist angeblich unauffindbar. Noch wichtiger:

Wann und in welcher Form hat Herta Müller konkret opponiert?

Welchen Repressalien war sie konkret ausgesetzt?

Wer von der Securitate hat sie verhört und wann?

Weshalb war Herta Müller eine privilegierte West-Reisende, die mehrfach in die Bundesrepublik ausreisen durfte?

Weshalb durfte ihr Gatte Richard Wagner, seit 1972 Mitglied der Rum. Kommunistischen Partei und im Jahr 1985 immer noch in der gleichen Partei,

im Jahr 1985 in die BRD reisen - zum Schriftstellerkongress nach Münster und danach weiter 5 Wochen durch das Land, während Rumänien unter Diktator Ceausescu bereits ruiniert am Boden lag und Flüchtlinge an der grünen Grenze totgeschlagen wurden?

War Herta Müller wirklich eine "Dissidentin"?

Und wurde sie tatsächlich verfolgt?

Ihr Mentor Nikolaus Berwanger, Banater Schwabe NR. 1, Vertrauensmann der Kommunisten, Chef der "Neuen Banater Zeitung" und des "Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreis" setzte sich im Jahr 1984 in die BRD ab.

In einem Interview in der Politik-Zeitschrift "Düsseldorfer Debatte" mit Volker Kaukoreit

"Zwischen den Stühlen" 1988, Nr. 2

nimmt der Förderer jener jungen Literaten N. Berwanger( auch der so genannten "Aktionsgruppe Banat") Stellung zur angeblichen Dissidenz von Herta Müller, indem er betont:

"Ebenso erstaunt bin ich zu hören, daß Herta Müller in Rumänien eine Dissidentin gewesen sein soll. Sie hat dort noch 1985 veröffentlicht."

"Bis zum 31. August 1984, als ich aus Temeswar abfuhr, hatte Herta Müller kein Schreibverbot.Sie erhielt in Rumänien insgesamt drei Preise."

Herta Müller erhält einen Preis des ZK des VKJ für ihren Debütband "Niederungen", Kriterion Verlag 1982.

N. Berwanger findet es nicht richtig, dass die deutschen Autoren aus dem Umfeld der AG und des AMGK ihre in Rumänien ( von der KP ) erhaltenen Preise hier in der BRD verschweigen.

Diese Aussagen des wichtigsten Literatur-Mäzens im Banat zur Zeit der Ceausescu-Diktatur sind leider bisher überhört worden. Die differenzierte Diskussion beginnt erst.

Als ehemaliger Bürgerrechtler während der Ceausescu-Diktatur bzw. als Mitbegründer der ersten freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger SLOMR habe ich einen "Offenen Brief an Herta Müller" formuliert - mit vielen Fragen, die noch nicht beantwortet sind.

Herta Müller hat die Fragen ihrer Kritiker bisher ignoriert.

Jetzt aber wird die Weltöffentlichkeit Fragen aufwerfen, in deren Mittelpunkt die "moralische und politische Integrität" der gestern mit dem Nobelpreis ausgezeichneten, kontroversierten Literatin steht. Die Welt will wissen, was Sache ist.

William Totok, selbst bei Ceausescu in Haft und mit den Repressionsmethoden totalitärer Systeme wohl vertraut,

weiß, dass eine vollständige Vergangenheitsaufarbeitung und -bewältigung

nur auf der Grundlage von Fakten erfolgen kann, nicht auf Mythen.

Es nutzt nicht viel, einige Zitate zur Diskussion zu stellen, die eine angebliche Verfolgung attestieren - es kommt auf die Präsentation aller Dokumente an.

Herta Müllers unzulänglicher Versuch einer Selbstrechtfertigung in DIE ZEIT Nr.31, 2009, unter dem Titel " Die Securitate ist noch im Dienst", hat den Katalog der Fragen noch weiter ausgeweitet. Carl Gibson.



10.10.2009

Moralische und politische Integrität – Nobelpreisvoraussetzung


Wenn Herta Müller die Fragen zu ihrem unvollständigen Lebenslauf vor 1987 vollständig beantwortet hätte,  wäre sie wohl kaum als Kandidatin für den Nobelpreis vorgeschlagen worden.

Die noch ausstehenden Fragen an Herta Müller habe ich im Jahr 2006 an die Autorin gerichtet. Sie blieben unbeantwortet. Vor einem Jahr habe ich diese Anfrage veröffentlicht.

Keine Reaktion.

Nach dem jüngsten (oben zitierten) Artikel in der ZEIT aus der Feder von Herta Müller habe ich einen "Offenen Brief an Herta Müller" mehrfach ins Internet gestellt.

Die vielen berechtigten, dort aufgeworfenen Fragen sind alle noch nicht beantwortet?

Meine Frage hier: Darf Herta Müller die bundesdeutsche Öffentlichkeit mit Geschichten und subjektiven Aussagen konfrontieren, ohne dass diese kritisch überprüft werden dürfen?

In dem schlecht redigierten ZEIT-Artikel gibt es eine Reihe von Unwahrheiten, Fehler und Behauptungen, die zum Teil öffentlich richtig gestellt werden mussten.

Wer in einer Diktatur gelebt hat, kennt die Gepflogenheiten eines totalitären Systems sehr genau:

Man kann sich nicht einer Verhaftung durch den Geheimdienst Securitate entziehen, indem man sagt:

Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit! –

wie von Herta Müller geschildert.

Wenn man aber an einer Stelle von zwei Securitate-Schergen in den Dreck gestoßen wurde - unbeteiligte Rumänen sahen dabei zu - dann wird man den Ort der Demütigung nie vergessen.

Herta Müller sagte, sie sei in der "Bahnhofshalle Poiana Brasov" in den Dreck gestoßen worden - Grotesk!

In den Ski- und Erholungsgebiet auf 1000 Meter Höhe bei Kronstadt in Siebenbürgen existiert kein Bahnhof.


Also haben wir es in der Darstellung Herta Müllers, die ihre Verfolgung belegen soll, mit Potjomkischen Dörfern zu tun, mit Fassaden, kurz mit Fiktion - und nicht mit Realität.

Das kann jeder in DIE ZEIT, Nr. 31, 2009 nachlesen und selbst werten. Dort ist noch mehr.

Fazit: Wer in der Ceausescu-Diktatur konkret opponierte, wurde brutal verfolgt, verhaftet, verurteilt und landete im Gefängnis.

Herta Müller hatte bis 1985 keine Repressalien zu erdulden.

Ihr Gatte Richard Wagner wollte - nach eigener Aussage - kein "Dissident sein, eher ein loyaler Kritiker, was immer das in einer Diktatur sein soll, Herr (…)!
Mit der Metapher kann man keine Diktatur verändern - aber mit konkreten politischen Aktionen wie SLOMR, der ersten freien Gewerkschaft in Osteuropa 1979.

In den Jahren 1981-1984 habe ich als Sprecher dieser SLOMR im Westen über die CMT (Confederation Mondial du Travail) und das BIT der UNO eine völkerrechtliche Klage gegen das Ceausescu-Regime auf den Weg gebracht. Unter Lebensgefahr. Ein Novum damals, mitten im Kalten Krieg.

Herta Müller und Richard Wagner standen damals noch loyal zum System.

Ein Nobelpreis macht Unwahrheiten nicht wahrer.

Herta Müller wird der Welt antworten müssen.

Carl Gibson, Zeitzeuge, ehemaliger politischer Häftling in der Ceausescu-Diktatur





Carl Gibson,

Werte Leser, kritische Kommentatoren, Freunde der Aufklärung, sehr geehrter Herr (…),


viel Feind, viel Ehr'?


Gerade habe ich mitbekommen, dass einige Kreise bemüht sind, mein Wikipedia-Portrait zu "löschen".


Das nehme ich zur Kenntnis!


So wie ich viele Dinge zur Kenntnis genommen habe, die aus obskuren Kanälen (der alten und neuen Securitate) an Diskreditierungsmaßnahmen gegen mich im Westen gestartet wurden.(…) "Selbstbeweihräucherung" ist mir fremd -
so fremd wie alle Formen der Lüge und Heuchelei!


Nur muss ich leider, da ich nicht im Namen anderer Opfer zu sprechen befugt bin, als Zeitzeuge und authentischer "Dissident" über die eigenen Taten und Erlebnisse (Fakten) sprechen, mein "Testimonium" niederlegen, das die Forschung dann kritisch überprüfen kann. Jederzeit.


Ich stehe zu allem, was ich geschrieben und gesagt habe!


Herr (…), mir geht es nicht um Namen, um Kreuzzüge ideologischer Art:
Mir geht es um das "Prinzip", sprich: Um realistische Phänomenbeschreibung der Ereignisse in einem totalitären System der Sonderklasse, in der höchst repressiven Ceausescu-Diktatur, die ich nicht - wie Herta Müller - vom Hörensagen kenne, sondern als den Kerkern und Folterstuben der Securitate. Sie und (…) können alle die von mir gestellten Fragen auch stellen! Das ist legitim!


Nicht ich muss das sein, der nach Moral, Sitte, Anstand, Würde, Gerechtigkeit etc. fragt (als Philosoph ... zufällig mit Diplom und praktisch tätig!; es geht um die Fragen" an sich",die beantwortet werden müssen.


In den Foren habe ich Tausenden den Unterschied zwischen "Fiktion" und "Realität" deutlich gemacht.


In "Belletristik" suche ich nicht nach Realität bzw. nach realistischer Zeitaussage,
aber sehr wohl in den "Interviews" zur geistigen Situation der ZEIT bzw. in "Essays".


Dort will ich keine "erfundene Wahrnehmung" vorfinden,
keine Potjomkinschen Dörfer, sondern nur nackte, realistische "Fakten", auf deren Grundlage die Vergangenheitsaufarbeitung möglich sein muss.


Herta Müller hat gesagt, dass die Dummheit und Rückständigkeit ihrer Banater Landsleute ihr erst den

"HASS"

eingegeben hätten, um "Niederungen" (1982)zu schreiben.


Bekam sie für diese ausgrenzende, spaltende Negativ-Prinzip des Hasses nun den Nobelpreis?

Das ist hier die Frage! Carl Gibson SPIEGEL-Leser avant la lettre - seit 1976 ( Bild-Dokumentation in Internet von jedermann abrufbar!) Dem SPIEGEL verdanke ich meinen Einstieg in die antikommunistische Opposition gegen Ceausescu.(1976 - 1979 in Rumänien)




11. 10. 2009

Herta Müllers "Die Securitate ist noch im Dienst" gibt es in zwei Varianten

Hallo (…),

Sie haben die Online-Version der Herta Müller-Selbstdarstellung gelesen. Ich beziehe mich auf die Druckfassung Nr. 31, die in alle Welt verbreitet wurde. In dieser Druckfassung war auch das Zitat als fette gedruckte Zwischenüberschrift enthalten:

"Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben"!

Dagegen habe ich öffentlich protestiert.

Als Folge meiner und anderer Betroffener Proteste kam es zu einer "Überarbeitung" des Artikels, der dann als "Online-Version" verbreitet wurde.

Eine knappe Richtigstellung erfolgte in DIE ZEIT NR. 32 mit dem Hinweis, nicht der "Bahnhof Poiana Brasov" sei gemeint, sondern jener in dem 500 KM entfernten Temeschburg/Timisoara.

Es wurde auch seitens der ZEIT darauf hingewiesen, oben zitierte Aussage beziehe sich nicht auf auf alle Banater Schwaben, sondern nur auf deren Landsmannschaft.

In einem Email, das über www.kulturraum-banat.de ( Forum) in Umlauf kam und auch von mir zitiert wurde, weist Herta Müller diese Fehler der ZEIT-Redaktion zu, mit dem Hinweis, diese Details wurden dort hinein redigiert.

Angeblich ohne ihr Wissen.

Wie konnte das möglich sein?

Darauf wurde noch nicht geantwortet.

Carl Gibson


12.10.2009

Deviation

Sie lenken ab, Herr (…), indem Sie einen nicht haltbaren Gegensatz zwischen Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen synthetisch konstruieren.

Darf ich einen weiteren Namen in die Diskussion einbringen?

Nein, nicht den ihres HJS-Kollegen William Totok, der, wie ich gestern sah, von Dissident avant la lettre Paul Goma auf www.badin.ro in der Debatte gegen Herta Müllers Nobelpreis wüst beschimpft wird, meine ich, sondern den anderen Mitherausgeber der "Halbjahresschrift"

"Dieter Schlesak".

Er stammt aus Schäßburg in Siebenbürgen und ist der Verfasser des Werkes: "Capesius. Der Ausschwitzapotheker".

Vom literarischen Format her würde ich ihn jederzeit Herta Müller als Nobelpreisträger vorziehen - er hat vorzügliche, einfühlsame Lyrik vorzuweisen, seit Jahrzehnten, hochgeistige Essays, wissenschaftliche Arbeiten.

Und da er kritisch mit der NS-Vergangenheit einzelner Siebenbürger Sachsen umgeht, ist er für einige ein "Nestbeschmutzer" (wie Herta Müller für manche Banater!) –

aber für viele Rumänen ist Dieter Schlesak ein "Brückenbauer" zwischen den Völkern und Kulturen,

keiner, der nur spaltet und trennt - wie das bei Herta Müller der Fall ist, die praktisch nur Negatives zu Rumänien aussagt.

Nach meinem Wissensstand ist Dieter Schlesak noch nie für die hohe idealistische und symbolträchtige Auszeichnung nominiert worden?

Weshalb?

Vielleicht weil sein Oeuvre näher an der Wirklichkeit angesiedelt ist als die "erfundene Wahrnehmung" der Herta Müller, die von der Dämonisierung der Securitate lebt,

obwohl sie nichts mit Dissidenz zu tun hat.

Wollen Sie mir widersprechen?

Dann sagen Sie mir doch, wann, wo und wie Herta Müller opponiert hat?

Einen ins Triviale ausgedehnten Dissidenzbegriff kann ich - als Opfer aus der kommunistischen Gefängniszelle - nicht akzeptieren.

Politische Opposition - das war seinerzeit bei Goma und SLOMR (1977-1979) etwas sehr Konkretes.

Herta Müller stand damals loyal zum System!

Denken Sie einmal darüber nach, Herr (…)!

In der Wiener Presse redet man mit Mircea Dinescu!

Das wäre ein guter Kandidat der Rumänen.

Dramatiker und Exilant Eugen Ionesco hatte ihn vorgeschlagen!

Den Rumänen selbst wäre seit langem ein Nobelpreis zu gönnen, denn neben Mircea Eliade und Emil Cioran habe sie Poeten wie Tristan Tzara, Ion Caraion und andere Dadaisten, Surrealisten und Expressionisten zur europäische Literatur beigesteuert, gemessen an deren Werk, Herta Müller wie eine Epigonin 100 Jahre post festum dasteht. Carl Gibson


18.10.2009

Versöhnung statt Spaltung

Ich persönlich hätte es begrüßt, wenn Herta Müller bereits zum Zeitpunkt ihrer Nominierung als Kandidatin für den Literatur-Nobelpreis ihren Frieden mit den deutschen Landsleuten aus dem Banat gemacht hätte; und wenn alle offenen Fragen durch das Vorlegen einer umfassenden, lückenlosen Vita ad acta gelegt worden wären.

Das ist leider nicht geschehen.

Deshalb bleiben viele Fragen offen. Weiter oben habe ich einige formuliert.

Etwa die Frage nach der Zensur von "Niederungen". In Rumänien wurde die Zensur im Jahr 1978 "offiziell" abgeschafft.

Diktator Ceausescu hat bald darauf diesen Schritt vor Autoren im Schriftstellerverband der Rumänen beklagt.

Wer durfte Herta Müllers Debütband (im Kriterion Verlag 1982 ediert) zensieren?

Wer hat es tatsächlich getan?

In welchem Umfang ist, wenn überhaupt, zensiert worden?

Präzendenzfälle der Zensur sind bekannt, auch aus der "Aktionsgruppe Banat".

So wurde Gerhard Ortinaus Debüt-Band "Die Verteidigung des Kugelbitzes" von dem Zensor Millitz (1975/76) arg zerstückelt und zerhackt, einzelne Kurzgeschichten wurden bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, so dass die Intention des Autors unterging. Kennt man vergleichbare Eingriffe bei Herta Müller? Carl Gibson


18.10.2009

Exodus in Agonie zwecks national-kultureller Identitätserhaltung

Das Eingangszitat von William Totok, das Herta Müllers Kritizismus belegen soll, ist missverständlich. Herta Müller kritisierte in ihrem Erstling nicht die real sozialistische Gesellschaft der Ceausescu-Diktatur, sondern das Dorfleben im deutschen Dorf im Banat.

Die Dorfgemeinschaft erscheint in der Niederungen-Kurzgeschichte "Grabrede" als bedrohende Masse, als eine Summe von unreflektierten Einzelmenschen, die das Anderssein eines Mitmenschen nicht gelten lassen wollen, die den Andersdenkenden bedrohen und „das Gewehr“ auf ihn richten, bereit, Ketzer und Außenseiter jederzeit abzuschießen, besonders Tabu-Brecher und so genannte „Nestbeschmutzer“.

Die historisch gewachsene Gemeinde, für viele eine existenzerhaltende Einheit, rechtfertigt sich:

„Wir sind stolz auf unsere Gemeinde. Unsere Tüchtigkeit bewahrt uns vor dem Untergang. Wir lassen uns nicht beschimpfen, sagte er.
Im Namen unserer deutschen Gemeinde wirst du zum Tode verurteilt. Alle richteten ihre Gewehre auf mich. In meinem Kopf war ein betäubender Knall. Ich fiel um und erreichte den Boden nicht. Ich blieb quer über ihren Köpfen in der Luft liegen.“

Zitat aus der „Grabrede“, Niederungen, Ausgabe 1984 von Herta Müller)

Die deutsche Gesellschaft und Gemeinschaft im Banater Dorf wird zum Feindbild erhoben – ihr Wertesystem, aus linksintellektueller Sicht kleinbürgerlich, spießig, heuchlerisch, faschistoid oder mit latenten Hang zum Faschismus, wird abgelehnt, weil es der freien Selbstentfaltung des kreativen Individuums, des Schaffenden in allen Bereichen der Existenz, zuwiderläuft.

Wo andere die “Geborgenheit” fanden, ein Gefühl von Heimat und “deutscher Identität”, sahen einige linke Extremdenker um 1975-1980 die Dinge in Rumänien anders.

Die Konsequenz bedeutete Zäsur, Bruch mit der nicht mehr geliebten „Werte-Welt der Vorväter“, eben weil der letzte große Krieg neue Fakten geschaffen hatte – und neue Formen von Verantwortung und Schuld. Der Feind ist ausgemacht in der Grabrede:

Es ist die “eigene Herkunft” und die “eigene Gemeinschaft”, nicht etwa ein fremder, viel mächtiger Feind hinter und über der Gemeinschaft in der realsozialistischen Gesellschaft.

Es ist nicht die Kommunistenpartei im alles bestimmenden Staat, in der Diktatur, sondern der kleine Mann von nebenan, der “Repräsentant der deutschen Gemeinschaft” mit seinem kargen Brauchtum und seinem schmalen kulturellen Substrat, der Nachbar, der den alten Sitten folgend treu mit am Grab steht und einen dicken Stein auf den Sarg legt.

Das, Herr (…), interpretiere ich aus der "Grabrede" - unabhängig von der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Carl Gibson





Weitere Kommentare:





Carl Gibson,


Wie wichtig ist die moralisch-politische Integrität bei Nobelpreisträgern


Alfred Nobel hat in seinem Testament klare, ethische Vorgaben gemacht: Wer mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wird, muss seinen ethisch-idealistischen Erwartungen gerecht werden, er muss Höchstes leisten auch auf moralischer Ebene.


Deswegen habe ich die politische und moralische Integrität von Herta Müller innerhalb einer mehr als einjährigen Debatte hinterfragt mit dem Hinweis darauf, dass ihre Vergangenheit während der Ceausescu-Diktatur weder der Wissenschaft noch der Öffentlichkeit bekannt sein dürfte. In Schweden gab es vor einem Jahr eine Diskussion darüber.


Die noble Jury hörte nichts davon, wohl weil sie nichts hören wollte.

Muss die "moralisch-politische Integrität" einer Person nicht der rein "ästhetisch-literarischen" Wertung vorausgehen, quasi als conditio sine qua non? Das nahm ich an!


Doch die Jury fragte wohl nicht nach der Vergangenheit von Herta Müller und wertete ihr Werk erst seit 1987? Ist das legitim? Müssten wir dann nicht auch die einst systemloyalen DDR-Schriftsteller mit dem gleichen Maß messen?
Wie begründet die Jury ihre Entscheidung: "mit der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit von Prosa die Landschaft der Heimatlosigkeit beschreibt" - was ist das?


Herta Müller, mit einem schmalen, sehr kontrovers diskutierten Oeuvre nun auf einer Stufe mit Thomas Mann - und jenseits aller ethischen Wertung?
Es wird noch eine Nacharbeit geben, nicht nur im Akademischen. Die Recherchen beginnen erst - und das weltweit. Carl Gibson




Carl Gibson



Herta Müller - ein "Wendehals"?

Maulkorb für Kritiker


Darf man eine Ikone angreifen, gar in Frage stellen?


Als Herta Müller im Juli 2008 Kollegen denunzierte, in vielen Punkten schlechthin Unwahrheiten verbreitete, habe ich öffentlich dagegen gehalten, eineinhalb Jahre,

beginnend mit der "Spitzel-Affäre in Berlin".


Alles nachzulesen in: Foren der Siebenbürgischen Zeitung.

Die Frankfurter Rundschau druckte mein damals verfasstes Memorandum nicht.


DIE ZEIT- Online veröffentlichte zwar meinen "Offenen Brief an Herta Müller", wo ich eine Reihe von Fehlern nachgewiesen hatte, nachdem sie meine Kommentare mit Hinweisen auf "Redundanz" gekürzt hatte.


Dann "löschte " sie die gesamte öffentliche Aufklärungsschrift, ohne Lust, die Beweise zu konsultieren, die ich der ZEIT-Redaktion vorlegen wollte.

Solche Zensur-Gepflogenheiten hätte ich in einer Diktatur erwartet,

im Ceausescu-Kommunismus, gegen den ich aktiv opponierte,

aber nicht in einer europäische Demokratie, wo die freie Meinung durch die Verfassung geschützt ist.Jetzt geht man noch weiter!

Auf Wikipedia wurde mein Portrait dort zerstückelt!
Nach dem Willen der Zensoren dort, bin ich kein "Philosoph" mehr, auch kein "Schriftsteller"!


Noch schlimmer:

Meine offene Kritik an Herta Müller, aufgenommen in dem Werk "Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu Dettelbach, 2008, 418 Seiten, wurde einfach "eliminiert" - wie im Absolutismus Heines und Lenaus zur Metternich-Zeit.

Deleatur! Carl Gibson


Werte Leser, kritische Kommentatoren, Freunde der Aufklärung, sehr geehrter Herr (…),


viel Feind, viel Ehr'?


Gerade habe ich mitbekommen, dass einige Kreise bemüht sind, mein Wikipedia-Portrait zu "löschen".


Das nehme ich zur Kenntnis!


So wie ich viele Dinge zur Kenntnis genommen habe, die aus obskuren Kanälen (der alten und neuen Securitate) an Diskreditierungsmaßnahmen gegen mich im Westen gestartet wurden.(…) "Selbstbeweihräucherung" ist mir fremd -
so fremd wie alle Formen der Lüge und Heuchelei!


Nur muss ich leider, da ich nicht im Namen anderer Opfer zu sprechen befugt bin, als Zeitzeuge und authentischer "Dissident" über die eigenen Taten und Erlebnisse (Fakten) sprechen, mein "Testimonium" niederlegen, das die Forschung dann kritisch überprüfen kann. Jederzeit.


Ich stehe zu allem, was ich geschrieben und gesagt habe!


Herr (…), mir geht es nicht um Namen, um Kreuzzüge ideologischer Art:
Mir geht es um das "Prinzip", sprich: Um realistische Phänomenbeschreibung der Ereignisse in einem totalitären System der Sonderklasse, in der höchst repressiven Ceausescu-Diktatur, die ich nicht - wie Herta Müller - vom Hörensagen kenne, sondern als den Kerkern und Folterstuben der Securitate. Sie und (…) können alle die von mir gestellten Fragen auch stellen! Das ist legitim!


Nicht ich muss das sein, der nach Moral, Sitte, Anstand, Würde, Gerechtigkeit etc. fragt (als Philosoph ... zufällig mit Diplom und praktisch tätig!; es geht um die Fragen" an sich",die beantwortet werden müssen.


In den Foren habe ich Tausenden den Unterschied zwischen "Fiktion" und "Realität" deutlich gemacht.


In "Belletristik" suche ich nicht nach Realität bzw. nach realistischer Zeitaussage,
aber sehr wohl in den "Interviews" zur geistigen Situation der ZEIT bzw. in "Essays".


Dort will ich keine "erfundene Wahrnehmung" vorfinden,
keine Potjomkinschen Dörfer, sondern nur nackte, realistische "Fakten", auf deren Grundlage die Vergangenheitsaufarbeitung möglich sein muss.


Herta Müller hat gesagt, dass die Dummheit und Rückständigkeit ihrer Banater Landsleute ihr erst den

"HASS"

eingegeben hätten, um "Niederungen" (1982)zu schreiben.


Bekam sie für diese ausgrenzende, spaltende Negativ-Prinzip des Hasses nun den Nobelpreis?

Das ist hier die Frage! Carl Gibson SPIEGEL-Leser avant la lettre - seit 1976 ( Bild-Dokumentation in Internet von jedermann abrufbar!) Dem SPIEGEL verdanke ich meinen Einstieg in die antikommunistische Opposition gegen Ceausescu.(1976 - 1979 in Rumänien)










SPIEGEL-Online:




Carl Gibson, 19. 10.2010

Cui bono?

Wurde je ein Autor mit dem "Nobelpreis" ausgezeichnet, der die westliche Wertstruktur angegriffen und das Establishment im Oeuvre in Frage gestellt hätte?

Mario Vargas Llosa begrub den Idealismus seiner Jugend und wendete Hals, Haupt und Denken – nicht viel anders als

Herta Müller, die als Kritikerin des "deutschen Dorfes im Banat" begann (das Banat, die "Hölle auf Erden", F. C. Delius im der SPIEGEL- Renzension, 1984 nach seiner Lektüre von Müllers Debütwerk "Niederungen),

um dann als militante Antikommunistin zu enden,

 prämiert mit dem "Franz Werfel Preis für Menschenrechte" des Bundes der Vertriebenen ( 2009) von Frau Erika Steinbach

 bzw.

 schon vorab geadelt durch den Preis der konservativen Konrad Adenauer- Stiftung (KAS) im Jahr 2004.

Welche Meriten hat Herta Müller, um mit dem höchsten und höchst dotierten aller Preise ausgezeichnet zu werden?

"Atemschaukel" ist ein Lager-Bericht aus zweiter Hand, den Oskar Pastior (Büchner-.Preisträger) "erlebt" hat.

Herta Müller kennt das Lagerleben, Folter, Hunger, Existenzangst in Haft vom Hörensagen.
Oskar Pastior, inzwischen als "Securitate- Spitzel" enttarnt und tot, hat Müller die Idee vermacht, das Wortmaterial, die Konzeption etc. –

Literaturwissenschaftler dürfen berechtigt fragen,

was stammt noch von Herta Müller?

 Wo beginnt das Plagiat?


Wie groß war der Aufschrei, als eine Debütierende ein paar Sätze aus dem Werk eines anderen aus dem Internet übernahm!

Bei Müllers "Atemschaukel" schrie keiner auf;

kein Günter Grass und auch kein DDR-Widerständler äußerte sich öffentlich kritisch zur hohen Ehrung einer fast Unbekannten, die man mangels Information und Debatte zur "Dissidentin" gemacht hatte, obwohl Müller nie etwas mit aktiver Dissidenz gegen Diktator Ceausescu zu tun hatte.

Eine Heuchelei das Ganze?

Cui bono?

Ein Lohn - wofür? Bald wurde die "Unbestechliche" und "Unbeugsame" auch noch mit dem Bundesverdienstkreuz mit Stern geehrt?

Wofür?

Weil sie den Nobelpreis für Literatur nach Deutschland geholt hatte?


Spiegel Online:

Carl Gibson, 29.10.2010

Diskrepanz zwischen Leben und Werk

Zwischen Leben und Werk besteht oft eine krasse Diskrepanz, gerade wenn sich einzelne Persönlichkeiten des geistigen Lebens auch politisch betätigen bzw. in die geistige Situation der Zeit gesellschaftsverändernd eingreifen.

Haben Nobelpreisträger wie H. Böll oder G. Grass existenziell das eingelöst, was sie in ihrem Werk verkünden?

Ist das Werk eines Autors ein Spiegelbild des eigenen Lebens? Was ist Wahrheit? Was ist Fiktion?

Wo beginnt die Verfälschung von Realität, von Zeitgeschichte, gerade wenn es um das Verdammen einer bestimmten Ideologie geht? Was ist Selbst-Stilisierung, ja inszenierte Selbstmythisierung?

Auch bei Herta Müller begnügte man sich in Stockholm mit einer unvollständigen Vita, weil man davon ausging, dass die Autorin aus dem rumänischen Banat „moralisch integer“ sei, ethisch gelebt habe und den Idealismus transportiere, den Alfred Nobel testamentarisch vom Werk des Auszuzeichnenden eingefordert hat. Im Detail überprüft hat das jedoch niemand - das Nobelpreiskomitee begnügt sich wohl mit der Referenz des Vorschlagenden, dessen Kompetenz und Autorität a priori anerkannt wird. Alles andere sind formale Abläufe - eine kritische Diskussion hinter den Kulissen findet kaum statt, eher ein Lobbyisten-Gespräch mit nationalen und diplomatischen Bezügen. Das Nachsehen hat die große Literatur und das noch wirksamere Ethos dahinter.


Carl Gibson, 14.10.2010

Gleichstand

Herta Müller steht heute formal auf der gleichen Stufe wie Thomas Mann.

Gut so?

Und ist das Votum vom Werk gedeckt?

Darauf mögen Literaturwissenschaftler und alsbald auch Literaturhistoriker urteilen, die Kriterien ansetzen, welche über die Mode eines Tags hinausgehen.

Marcel Reich-Ranicki meint, die Entscheidung in Stockholm für Maria Vargas Llosa sei diesmal gar nicht so dumm ausgefallen!
Bemerkenswert, der Ausspruch!

Also war sie im Vorjahr dumm?

Das Werk von Herta Müller kenne er nicht, bekannte der Literaturpapst (vergleiche dazu den Artikel hier auf SPIEGEL-Online)

Wie kommt es nur, dass "große Literatur" da ist, die ein Marcel Reich-Ranicki nicht kennt?




Carl Gibson, 14.10.2010

Konsequenter Sinnes-Wandel oder schnöder Opportunismus

Volle Zustimmung!

Nur - wurde etwa die "moralische und politische Integrität" bestimmter Kandidaten im Vorfeld diskutiert: Stichwort Günter Grass, um nur eine Namen zu nennen?

Ein Nobelpreisträger sollte nach meiner Auffassung nicht nur ein "nobelpreiswürdiges" Oeuvre Vorlegen - er sollte in jeder Hinsicht "moralisch autark" und erhaben sein - ist das immer der Fall gewesen?

Was ist konsequenter Sinnes-Wandel und was nur schnöder Opportunismus?

„Er wandelte sich vom kommunistischen Rebellen zum Liberalen“, schreibt Spiegel- Autorin Helene Zuber in ihren Auftakt Artikel auf SPIEGEL- Online.


Llosa – ein Chamäleon? Ein Wendehals?

Wohl kaum!

Es ist verständlich, wenn aus dem feurigen Idealisten und Kommunisten Llosa nach jahrzehntelanger Europäisierung bzw. nach Scheiten des Weltkommunismus als Erlösungsmodell der Menschheit ein moderater Liberaler wird.

Wenn der Kommunismus als Emanzipationsmodell berechtigt war, dann in Lateinamerika.

Doch ist es auch begreifbar, dass sich Kritiker konservativer Positionen quasi über Nacht zu militanten Antikommunisten wandeln?

Honi soit qui mal y pense!

Carl Gibson, 14.10.2010


Zweierlei Maß?

"Voll" bzw. "breit" demokratisch ist nach meiner Auffassung ein Verfahren, wenn weite Kreise eines Volkes hinter einer "moralischen" Position stehen und die Träger dieser Haltung mittragen.

Vollzieht sich eine Nominierung und Auswahl im kleinen, elitären Kreis, dann ist das sicherlich irgendwo undemokratisch.

Zum "Pranger" - einige Nationen, unter ihnen die skandinavischen, prämierten in den letzten hundert Jahren der Nobelpreisvergabe gerne sich selbst - und sie vergaßen dabei z. B. den Afrikanischen Kontinent bis in jüngste Zeit nahezu ganz.

Haben die Afrikaner keine Literatur?

Ganze Nationen gingen bisher leer aus - etwa die Rumänen, ein Volk von 22 Millionen Menschen in Europa - trotz Ionesco, Cioran, Eliade etc.

Zweierlei Maß?



Carl Gibson, 14.10.2010


Ethos oder falsche Signale?

Eine "basisdemokratische Nobelpreisträgerwahl" habe ich nie gefordert.

Sehr wohl aber wäre es in meinem Sinne, wenn ein Kandidat für sein Land und für die Werte seines Landes steht - und diese offen nach außen hin repräsentiert.

US Präsident Barack Obama stand und steht für das freie Amerika als dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das sogar über den eigenen Schatten springen kann und der Zeit entsprechend einen Farbigen zum Präsidenten wählt.

Ob Obama auch für die "Friedensidee" in der Welt stand und steht, ist eine andere Frage.

Doch repräsentiert die letzte Literaturpreisträgerin (2009) etwa das Wertesystem der BRD - und decken ihre Werke den moralischen Auftrag ab bzw. die "ethische" Definition des Nobelpreises?

Darüber ist m. E. wenig oder gar nicht diskutiert worden. In solchen Punkten sehe ich demokratische Defizite.

 Carl Gibson, 14.10.2010


Zurück, zum Ursprung

Nur um Aufklärung bemühe ich mich.

Wer nominierte die letzte Nobelpreisträgerin in Namen der BRD? Und weshalb gerade sie und keine andere Autorin, Literatin, Schriftsteller?

Wurden da nicht literarische Interessen und politische Signale (weniger moralische) im  Zusammenhang mit Dissidenz verquickt?


Carl Gibson, 14.10.2010

Nationales Interesse

Die Nominierung einer Persönlichkeit des Öffentlichen Lebens für die höchste Auszeichnung überhaupt ist eine "nationale Angelegenheit" und erfolgt nicht ohne politische Rückendeckung und Konsens.

Der "außenpolitische Schaden" wäre immens, würde sich die ausgezeichnete Person später als unwürdig erweisen.
Also: Wer nominiert wen und weshalb?

Sartre wurde nicht nominiert - James Joyce auch nicht –

aber Heinrich Böll und Günter Grass ... und eben Herta Müller.

Andere Autoren mit hohen Auszeichnungen hatten das Nachsehen - weshalb?

Fehlte da eine gewisse Lobby?

Berechtigte Fragen?

Das "Nobelpreiskomitee" pflegt solche "interne" Fragen nicht zu beantworten, da manches nicht zu rechtfertigen ist.

Nehmen wir alle Entscheidungen also unkritisch hin?


Carl Gibson, 14.10.2010


Nach welchen Kriterien wird nominiert und ausgewählt?

Zum letzten Literatur-Nobelpreis wollte Marcel Reich-Ranicki keinen Kommentar abgeben. Aus gutem Grund?

Manchmal sagt "kein" Kommentar mehr als tausend Worte!

Was sagt der Literaturpapst heute?

Und was sagt - neben der Literatur-Kritik" die "Literatur-Wissenschaft"?

Hat sie Kriterien der Wertung von Gehalt, Gestalt und Moralität?

Darf ein Nobelpreis zum Politikum erhoben und dann mit Macht durchgesetzt, also forciert werden?

Carl Gibson, 14.10.2010


Nachfrage

Nach welchen Kriterien wird nominiert?

Wer kennt die Struktur der "schwedischen Akademie" - ein geschlossener Verein in "offener Gesellschaft"?

Mir geht es nicht um eine Meinung eines etablierten Kritikers, mir geht es um die Objektivierung der Kriterien.


Carl Gibson, 14.10.2010

Obskurantismus?

Im Dunkeln lässt sich gut munkeln, verehrte Frau (…), sagt man dann und wann.

Die Nobelpreis-Nominierung ist eine "elitäre Angelegenheit" - ist sie deshalb auch voll demokratisch?

Ein paar Auserwählte schlagen Kandidaten vor –

noch weniger Auserwählte wählen dann aus der illustren Schar der politisch mehr oder weniger opportunen Kandidaten aus, ohne dass in der Regel eine "öffentliche Debatte" über die Meriten der Vorgeschlagenen stattfindet.

"Geschlossene Gesellschaft"?

Es ist ein Spiel der Macht hinter den Kulissen, wobei einzelne Staaten ihre Interessen durchsetzen und andere an den Pranger gestellt werden, auch aus ideologischen Überlegungen heraus.



Wiener Zeitung, 12.10.2009

Nobelpreis - Maulkorb für Aufklärer


Hätte Herta Müller den Nobelpreis überhaupt bekommen, wenn die Diskussion über ihre "moralische und politische Integrität" nicht verhindert worden wäre?


Ihre jüngste Selbstapologie in DIE ZEIT Nr.31, Druckfassung, strotzt von Fehlern und Ungereimtheiten aller Art. Es steht nicht einmal fest, was von der Autorin stammt und was von der Redaktion.

Fehler wurden nur zum Teil in der Online-Fassung berichtigt.
DIE ZEIT würgte die von ihr entfachte Diskussion zur "Securitate" einfach ab, kürzte meine Kommentare, löschte die Gegendarstellung im "Offenen Brief an Herta Müller" - und erteilte mir Schreibverbot!

Wie sollte die Jury in Stockholm dann kritische Argumente erfahren?


Vor einem Jahr wurden in dem schwedischen Blog Dr. Bodil Zalesky meine Argumente gegen Herta Müller diskutiert - an entlegener Stelle.


Jetzt halten sich beharrlich Mythen und Legenden, die Herta Müllers "Widerstand" begründen sollen - leider wissenschaftlich unverifiziert.
Carl Gibson



Wiener Zeitung, 8.10.2009


Richtigstellung

Falsche Autorenschaft


"Herta Müller kritisierte deren Einladung in einem offenen Brief. In der Folge warf der aus dem Banat stammende Historiker, Philosoph und Literat Carl Gibson der Schriftstellerin vor, ihr Buch "Symphonie der Freiheit" sei ein Zeugnis für ihre Systemloyalität unter dem Ceausescu-Regime."

Diese Angaben sind falsch.


Richtig ist:


Der Autor des Buches

 "Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008,

ist Carl Gibson.


Ich bin ein ehemaliger Bürgerrechtler und habe in der zitierten Diskussion (nachzulesen unter www.siebenbueger.de) bzw. auf dem Wikipedia-Portrait seinerzeit die "moralische und politische Integrität" von Herta Müller hinterfragt.

Nach ihrem Artikel

"Die Securitate ist noch im Dienst" in der ZEIT Nr. 31, verfasste ich einen "Offenen Brief an Herta Müller", der bisher unbeantwortet ist.


Als Mitbegründer der (ersten) freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger SLOMR war ich 1979 in Rumänien in Haft.

Aus der Sicht des aktiv agierenden Dissidenten heraus habe ich einige kritische Fragen zur Vita von Herta Müller bis zu ihrer Ausreise im Jahr 1987 gestellt, die noch nicht beantwortet sind. Carl Gibson, Autor.



Die Presse, Wien

Carl Gibson, 13.10.2009


Stopp für Müller Kritiker?

Kehraus vor der Buchmesse


Die Österreicher sollten es nicht zulassen, dass es mit diesen "Lobhudeleien" so weiter geht.

Zur Zeit von Diktator Ceausescu, als seine Hofdichter Adrian Paunescu und Corneliu Vadim Tudor (beide sind heute Senatoren) aus einem mittelmäßigen Kommunisten den "Titan der Titanen " formten, das "Genie der Karpaten", den geliebtesten Sohn des Volkes etc.

 ließ sich Herta Müller von den gleichen Kommunisten 3 Preise geben - und ihr Büchlein " Niederungen" drucken, wie sie später sagte: getrieben vom "Hass" gegen die Banater Schwaben.


Kaiserin Maria Theresia hat die Banater Schwaben und alle anderen Donauschwaben im Kronland Ungarn angesiedelt - mit Plänen von Wien aus.
Temeschburg (Klein Wien!) war bis zur Zerschlagung der k.u.k Doppelmonarchie eine fast ausschließlich von Deutschen besiedelte Stadt.
Ceausescu brachte den Exodus!

Und Herta Müller griff seinerzeit (1982) ihre mit dem Rücken zur Wand stehenden Banater Landsleute an!

Dafür wurde sie prämiert?

Cui bono?
Wie groß war der Aufschrei, als die angebliche "Nestbeschmutzerin" Elfriede Jelinek den Nobelpreis bekam?!


Den gleichen moralischen Impetus und Kritizismus wünsche ich mir jetzt bei Herta Müller.


Mir, dem Autor von "Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur wurde vielfach ein Maulkorb erteilt.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass noch ein paar Aufrechte da sind, die reden.
Ja, "Die Presse" aus Wien sollte kritisch berichten, sie ist näher am Geschehen als die Deutschen. Carl Gibson, Autor



Die Presse, Wien

Carl Gibson, 12.10.2009



Andersdenkende, "Dissidenten" und echte Rebellen


Im Gegensatz zu Herta Müller, die nichts und auch gar nichts mit Dissidenz oder Opposition gegen Ceausescu zu tun hat, ganz im Gegenteil, sie war eine Nutznießerin des Systems - sie hat dann nach ihrer Ausreise 1987 opportunistisch das Lager gewechselt, ist der leidenschaftliche Dinescu ein echter "Abweichler".

Auch er war Mitglied der KP des Diktators Ceausescu. Aber er machte den Mund auf und meinte, in Rumänien laufe die Wahrheit mit gespaltenem Schädel herum.

Er war Nobelpreis-Kandidat, vorgeschlagen von dem exilierten Eugen Ionesco. Als Mann der ersten Stunde wollte er Veränderungen herbeiführen - nach der Revolution 1989, wurde aber von Iliescu ins Glied zurückgedrängt. nachdem die Feigenblatt-Funktion erfüllt war. Post-Kommunist Ion Iliescu machte weitere 7 Jahre weiter.

Dinescu setzte sich für die rum. Gauck-Behörde CNSAS ein und forderte die Offenlegung der Securitate-Akten, damit die Vergangenheitsaufarbeitung erfolgen kann.

In meinem Buch zum Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur habe ich ihm ein ganzes Kapitel gewidmet.

Im Gegensatz zur Nobelpreisträgerin, die nur Negatives über Rumänien zu berichten weiß, schreibt Dinescu auf seine sympathische, gewinnende Art sehr positiv und trotzdem kritisch.

Er ist glaubwürdig, Herta Müller, die Fiktion und Realität nach Lust und Laune mischt. ist es nicht. Wer etwas über das postkommunistische Rumänien erfahren will, der lese hier genau; das sind Essenzen, keine Mythen und Legenden! Ein Unterschied zu HM!
Carl Gibson



Die Presse, Wien

Carl Gibson



Alfred Nobel hat in seinem Testament klare, ethische Vorgaben gemacht:


Wer mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wird, muss seinen ethisch-idealistischen Erwartungen gerecht werden, er muss Höchstes leisten auch auf moralischer Ebene.

Deswegen habe ich die politische und moralische Integrität von Herta Müller innerhalb einer mehr als einjährigen Debatte hinterfragt mit dem Hinweis darauf, dass ihre Vergangenheit während der Ceausescu-Diktatur weder der Wissenschaft noch der Öffentlichkeit bekannt sind.

In Schweden gab es vor einem Jahr eine Diskussion darüber.


Die Jury hörte nicht davon, wohl weil sie nichts hören wollte.


Muss die moralisch-politische Integrität einer Person nicht der rein "ästhetisch-literarischen" Wertung vorausgehen, quasi als conditio sine qua non?

Das nahm ich an!


Doch die Jury fragte wohl nicht nach der Vergangenheit von Herta Müller und wertete ihr Werk seit 1987?

Ist das legitim? Müssten wir dann nicht auch die einst systemloyalen DDR-Schriftsteller mit dem gleichen Maß messen?


Wie begründet die Jury ihre Entscheidung: "mit der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit von Prosa die Landschaft der Heimatlosigkeit beschreibt" - was ist das?

Herta Müller, mit einem schmalen, sehr kontrovers diskutierten Oeuvre nun auf einer Stufe mit Thomas Mann - und jenseits aller ethischen Wertung?


Es wird noch eine Nacharbeit geben, nicht nur im Akademischen. Die Recherchen beginnen erst - und das weltweit. Carl Gibson  



Die Presse, Wien

Carl Gibson



Eklatanter Fehlgriff und falsches Signal

Der "Dissidenten"-Mythos wirkt!


Es ist wie mit dem Wolf im Schafsfell:

Seit Herta Müller ist Westen ist, wird sie als "Dissidentin" wahrgenommen - und das

 obwohl sie viele Jahre eine "Systemloyale " war, die sich an die Spielregeln der Ceausescu-Diktatur gehalten, die vom System profitierte, nicht zuletzt, weil sie den Banater Schwaben in der Stunde der Agonie und des Exodus in den Rücken fiel!

Das scheint alles vergessen!

Wer fragt heute schon nach Beweisen!

Kritische Wissenschaft?

Die Thesen, ihr Debütband "Niederungen" sei "zensiert" worden, sie sei von der Securitate verfolgt worden, ja sogar von ihren Landsleuten, sind allesamt nicht bewiesen.

H. Müller begann erst damit, Ceausescu zu beschimpfen, als sie im Westen in Sicherheit war.

Verfolgt, in Haft, gar umgebracht wurden andere.


Den kritischen Fragen zu ihrer dunklen Vita vor 1987 hat sich die Nobelpreisträgerin nie gestellt. Fragt einer danach, wird ihm in Deutschland der Mund verboten.

Diese Erfahrung mache ich seit Monaten, obwohl ich eine "Nobelpreis-Kandidatin" kritisch ins Visier nahm, - aus der Sicht des wahren Dissidenten aus der Gefängniszelle.

Herta Müller hat "Geschichten" erzählt, Märchen viel „erfundende
Wahrnehmung" geliefert, ohne dabei "Fiktion" und "Wahrheit" auseinander zu halten sind.


Jetzt, nach dem Preis, sollen die Kritiker schweigen!

Doch wie weit ist es mit der Demokratie her, wenn das freie Wort abgeschnitten wird - mit Maulkorb!?

J'accuse, sage ich hier mit Zola! Carl Gibson

 


Carl Gibson, Zensur in der Ceausescu Diktatur



Die "Zensur" wurde in Rumänien im Jahr 1978 "offiziell" abgeschafft.
Ceausescu beklagte es später auf dem Schriftstellerkongress von allen literarisch Schaffenden in SV, diesen Schritt getan und das "Zensieren" von Literatur gesetzlich unterbunden zu haben.


Der Klassiker Ion Caraion schrieb darüber.

Wie soll Herta Müllers Debütwerk "Niederungen" dann zensiert worden sein - und von wem?

Lektoriert wurde es von Personen, die heute im Westen leben (insofern sie nicht tot sind wie Rolf Bossert aus dem Freundeskreis der so genannten Aktionsgruppe Banat).



Diese Lektoren können auch heute noch befragt werden.
Nach meinen Informationen enthält der in Rumänien im Kriterion Verlag 1982 edierte Band sogar zwei Texte mehr als der 1984 im Rotbuch erschienene.
Wer, außer dem Lektor, könnte Beschneidungen an dem Text vorgenommen haben - die R K P oder die Securitate etwa?


Das sind klare Fragen! Wo sind die Antworten darauf?



Wer sich fragt, weshalb die Kurzgeschichten gerade bei den einfachen Leuten aus dem Banat Protest hervorriefen, der lese doch etwa die "Grabrede" nach.

Die Ehre einfacher Menschen wurde tangiert. Das führte zu Ablehnung und Kritik.

Eine "Kampagne "gegen Herta Müller gab es nie im Banat.


Zur Thematik:


Nobelpreise

Eine Form der Manipulation

(Essay, 1983)

In jedem Preis, in jeder Auswahl steckt eine Portion Manipulation. Diese Behauptung – sie ist ausreichend bekannt – gilt für den Taschengeldliteraturpreis, der gelegentlich von irgendeinem Marktfleckenbürgermeister gestiftet wird, genauso wie für den Weltpreis Alfred Nobels. Jeder Preis hat seinen Wirkungskreis, seinen Einflussbereich. In Deutschland schenkt man kleineren Literaturpreisen kaum Beachtung; selbst höher dotierte Preise – der Arno-Schmidt-Preis beträgt fünfzig Tausend DM – nimmt man lediglich zur Kenntnis.
Der astronomisch hoch dotierte Nobelpreis hingegen stellt eine absolute Autorität dar. Wenn in Stockholm die Entscheidungen fallen, hält die Weltöffentlichkeit den Atem an: Die Bekanntgabe des Literatur-und des Friedensnobelpreises ist ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung. Ein Name kann zum Symbol werden, er kann zum Freiheitskampf auffordern, ein Name kann ein geistiges Feuer entfachen, er kann für Hass sorgen, ein einziger Name kann das Weltgeschehen direkt beeinflussen.

Bereits in den ersten Jahren der Nobelpreisverleihungen erkannten die Zuständigen die gefährliche politische Wirkung der hohen Auszeichnung. Ein Konzept, welches die Politisierung verhindern sollte, wurde ausgearbeitet. Im Geiste des Stifters einigte man sich, so international wie möglich vorzugehen. Repräsentanten verschiedenster Nationen sollten ausgezeichnet werden.
In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts funktionierte dieses Prinzip vorzüglich. Die Franzosen stellten den ersten literarischen Nobelpreisträger: Sully-Prudhommes.

Obwohl der Verfasser des „J’accuse“, der weitaus bedeutendere Schriftsteller Emile Zolavorgeschlagen worden war, bevorzugte man Prudhommes, wissend, dass Nobel den Naturalisten nie anerkannt hat. Diese in der literarischen Welt nicht besonders freudig begrüßte Tat sollte symptomatisch für viele Entscheidungen der Zukunft werden.
Das nächste Opfer hieß Tolstoi.

Das Nobelpreiskomitee lehnte s ab, den literarischen Wert, der in dem unsterblichen Meisterwerk „Anna Karenina“ oder„Krieg und Frieden“ deutlich wird, entsprechend zu würdigen. In einer äußerst rigorosen Erklärung, die zur Beruhigung der Weltöffentlichkeit und als Rechtfertigung der Jury verfasst worden war, hieß es „Tolstoi hat alle Formen der Zivilisation verdammt und hat an ihrer Stelle eine primitive Form der Existenz, weit entfernt von allen Grundsätzen einer höheren Kultur, verherrlicht. Er hat jeder Regierung das Recht abgesprochen, mit der Strenge des Gesetzes gegen die Verbrecher vorzugehen, ja, er hat jeder Regierung sogar die Existenzberechtigung abgesprochen, um an ihrer Stelle für eine vollkommen theoretische Anarchie einzutreten. (…) Angesichts solcher Menschenfeindlichkeit und Engstirnigkeit gegenüber jeder Form der Zivilisation bleibt man zurückhaltend“.
Tolstoi erhob nie einen Anspruch auf den Weltpreis; er hat ihn vielmehr bekämpft und ihn als schädlich und unwürdig angeprangert. Die Jury einigte sich damals auf den deutschen Historiker Mommsen, der das monumentale Werk „Römische Geschichte“verfasst hatte.

Der dritte Nobelpreis für Literatur wurde erstmals einem Skandinavier zugesprochen. Er ging an Björnstjerne Björnson aus Norwegen. Verglichen mit Ibsen und Strindberg hatte Björnson wenig geleistet. Man bevorzugte ihn mit der Feststellung, Ibsens Genie wäre ausgelaugt. Einen an Ibsen vergebenen Nobelpreis sah man als verschleudert an. Mit dem Problem Strindberg setzte man sich nicht auseinander, denn er war Nobel verhasst.
Der nächste Nobelpreis wurde auf zwei Nationen verteilt. Weder der spanische Dramatiker Echegaraynoch der provenzalische Lyriker Mistralfanden eine Mehrheit, also bevorzugte man die Kompromisslösung.

1905 fiel die Wahl auf den Polen Sienkiewicz, der die Welt mit seinem „Quo vadis“ erfreut hatte. Ihm folgte ein Jahr später die erste Figur mit literarischem Wert, der Italiener Giosue Carducci. Doch dieser stand bereits auf der Todesschwelle; mit dem vielen Geld konnte er nichts anfangen. (Das Nobelpreiskomitee hat ausschließlich finanziell gesicherten Schriftstellern die hohe Summe zukommen lassen. W. B. Yates ist eine Ausnahme. Geholfen wurde mit diesem Geld nur selten.)
Mit Rudyard Kipling, dem man 1907 die hohe Auszeichnung zukommen ließ, endete die Parade der Nationen.

Der achte Nobelpreis ging an den Neu-Idealisten Rudolf Eucken und somit zum zweiten Mal an Deutschland. Zwei Jahre später, nachdem man unter dem Druck der Massen die beliebte und viel bewunderte Selma Lagerlöfausgezeichnet hatte, vergab man den Literaturnobelpreis erneut einem Repräsentanten des Dichter- und Denkervolkes: den Münchner Dichterbaron Paul Heyse hatte man auserkoren, die Ehrung in Empfang zu nehmen. 1911 wurde der Belgier Maeterlinck prämiert.
Zum allgemeinen Ärger der Nationen folgte abermals ein Deutscher. Gerhart Hauptann wurde für seine „fruchtbare und mannigfaltige Wirksamkeit im Bereich der dramatischen Dichtung“ausgezeichnet.

Das einstmals internationale Prinzip hatte sich zum Rotationsprinzip entwickelt. Deutschland hatte nun innerhalb von zwölf Jahren vier Literaturnobelpreise errungen.
Doch das sollte sich ändern. Der erste Weltkrieg brach aus. Versailles kam zustande. Es wurde immer unfeiner, Listen mit deutschen Namen aufzurollen. Endlich, nach siebzehnjähriger Wartezeit, schlug die Stunde von Thomas Mann. Lächerlicherweise zeichnete man ihn für die Niederschrift seines Jugendwerkes „Die Buddenbrooks“ aus, ein Werk, das er dreißig Jahre zuvor geschrieben hatte. Den „Zauberberg“ hatte man wahrscheinlich noch nicht gelesen.

In seiner Festrede sagte Thomas Mann: „Ich tue wohl daran, den Weltpreis, der mehr oder weniger zufällig auf meinen Namen lautet, meinem Lande und meinem Volke zu Füßen zu legen, diesem Lande oder Volk, mit dem meinesgleichen sich heute nur fester noch verbunden fühlt, als zur Zeit seiner klirrendsten Machtentfaltung. Dem deutschen Geist, der deutschen Prosa insbesondere gilt diese Jahr der Stockholmer Weltpreis, nach langen Jahren wieder einmal, und Sie machen sich schwer eine Vorstellung von der sensitiven Empfänglichkeit dieses verwundeten und vielfach unverstandenen Volkes für solche Zeichen der Weltsympathie“.
Vier Jahre später ergriff Hitler die Macht.

Das Annehmen der Nobelpreise wurde verboten. Auch Stockholm – Schweden war damals neutral – zitterte vor dem deutschen Verbrecher. Niemand wagte einen deutschen Kandidaten vorzuschlagen. Doch nach 1945 war die Gefahr vorbei.

Nichts bewegte sich. Siebenundzwanzig Jahre mussten vergehen, bis Heinrich Böll, ein Westdeutscher, den ersehnten Preis überreicht bekam. Nun sind abermals zehn Jahre vergangen, ohne dass ein Grund zum Hoffen besteht.
Der Nobelpreis ist nordisch; und die Nordländer kennen die Maxime vom selbsthelfen auch. Großzügig, nicht unbedingt nach den strengen Maßstäben literarischer Analyse, haben sie sich selbst aufs Podium gehoben: der Isländer H. Laxness, der FinneF.E. Sillanpää, die Norweger Björnson, Knut Hamsun, und Sigrid Undset sind Träger dieser hohen Auszeichnung; den DänenK. Gjellerup, H. Pontoppidan und V. Jensen wurde sie zugesprochen, und Schweden, das Land des Stifters, fand es würdig und angemessen, sich noch öfter zu feiern. S. Lagerlöf, V. von Heidenstamm, E. A. Karlfeldt (posthum), Pär Lagerquist, Nelly Sachs, H. Matinson, und E. Johnson waren seine Vertreter.

Das ein Viertel der Weltbevölkerung darstellende, keineswegs kulturlose China kann keinen Nobelpreisträger vorzeigen.
Nicht besser erging es den arabischen und schwarzafrikanischen Staaten. Literatur scheint in diesen Gebieten, urteilt man nach der Nobelpreisliste, fremd zu sein.

Das Land Buddhas rühmt sich bescheiden mit einem Preisträger, mit Tagore.
Um das Gesicht zu wahren, sah man sich gezwungen, einige Preise an Außenseiter zu vergeben. Der Japaner Kawabata, der Australier Whiteund der Jugoslawe Andric gehören zu dieser Gruppe. Alle anderen verblieben im traditionellen Weltkulturzentrum, in Westeuropa oder in Nordamerika. Der Literaturnation Frankreich sprach man elfmal den Nobelpreis zu; einmal – es war Sartre– wurde er nicht angenommen.

Vergeblich wird man nach Mallarmé, nach Paul Valerysuchen. Sie hat man umgangen. Dafür zeichnete man Romain Rolland aus, den Verfasser des „Jean Christophe“. Es ist fraglich, ob der Platz des engagierten Pazifisten nicht auf der anderen Tabelle neben Dunant, Bertha von Suttner und Carl von Ossietzky gewesen wäre.
(Apropos Frieden: Auch in diesen Bereich hat man überzeugende Persönlichkeiten ausgezeichnet. Einer davon ist wieder Mal in aller Munde – Menachem Begin nennt er sich. Seine letzte Friedenskampagne sorgt für Harmonie im Libanon.

Nur keine Sorge…,- in fünfzig Jahren wird niemand wissen, wie viele Menschen Albert Schweizer getötet und wie viele Begin in Lambarene geheilt hat.)
Neben den bereits erwähnten Franzosen zeichnete man Anatole France, den Philosophen Bergson, Martin du Gard, André Gide, Francois Mauriac, Albert Camus sowie den Lyriker Saint-John Perse aus. Von Marin du Gard abgesehen, haben alle ihre Wert.

Nicht weniger solide ist das amerikanische Lager. –es ist ja kein Wunder, denn ausgezeichnet wurden Schriftsteller, die bereits Rang und Namen hatten. Die USA hat es seit ihrem anschwellen zur Supermacht bereits auf acht Nobelpreise gebracht.

Der erste Weltpreis ging 1930 an Sinclair Lewis, ihm folgten Eugene O’Neill, Pearl S. Buck, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck, Saul Bellow und J. B. Singer.
Old England schnitt etwas schlechter ab: Neben Kipling zeichnete man 1925 G. B. Shaw aus, Shaw sorgte für eine Show; zwar nahm er die nicht unbeträchtliche Summe an, stiftete aber damit eine Gesellschaft, die den englisch-schwedischen Kulturaustausch gewährleisten sollte. Vor allem wünschte er eine Übertragung der Hauptwerke Strindbergs ins Englische. Das war genau der Mann, den Nobel selbst gehasst hatte.

Dem Spaßvogel folgten der weitaus ernstere Galsworthy sowie der bereits gesellschaftlich arrangierte T.S. Eliot.
Joycemuss damals etwas unauffällig gewesen sein, denn in aller Not wich man 1950 auf den Mathematiker Russel aus. Drei Jahre später ging man sogar soweit, dass man dem Redeschwinger Churchill den Nobelpreis für Literatur überreichte.

Weitere Preise gingen an Italien. Neben der Erzählerin Grazia Deledda und dem Stückeschreiber Pirandello (beide Größen ihrer Zeit) erwies man den Carducci-Nachfahren Quasimodo und Montale die höchste Ehre. Wen diese tat zu verdanken ist, ist rätselhaft. Sie wird wohl nach der „Hören-Sagen-Prozedur“ zustande gekommen sein, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass irgendein wertes Jurymitglied italienisch sprach und die Poesie der Dichter im Original gelesen hatte.
Wie man aus Zeugnissen ehemaliger Sekretäre der Akademie entnehmen kann, sind Fremdsprachenkenntnisse und Spezialwissen in manchen Bereichen der Literatur in Stockholm rar. Wie sollte man das Werk jenes Griechen beurteilen, wenn man seine Sprache nicht verstand und nirgendwo eine Übersetzung existierte? Also schuf man die „Hören-Sagen-Technik“, die oft dazu führte, dass vorgeschlagene Schriftsteller einfach fallen gelassen wurden. Übrigens, Gedichte der Sorte Quasimodos oder Montales kann man lediglich in romanischen Sprachen lesen. Eine schwedische Übersetzung dürfte kaum etwas mit der Quasimodo- oder Montale-Lyrik gemeinsam haben.

Noch einige Worte zur Ethik des Nobelpreiskomitees:
Sie wird vor allem vom Vorsitzenden, der manchmal zum kleinen Diktator entartet, bestimmt. Ansonsten gelten die Prinzipien des Stifters:

Kein Kandidat darf gegen die Lebensphilosophie Nobels verstoßen.

Idealismus ist die Hauptvoraussetzung.

Ist dieser Idealismus nicht deutlich erkennbar, so muss er seitens des Komitees nachgewiesen werden.

Kein Kandidat darf gegen das Literatur- und Kunstbewusstsein Nobels verstoßen.

Der Geschmack Nobels muss sich mit dem des Kandidaten decken.

Weitere wünschenswerte Voraussetzungen:

ein Nobel angeglichenes Leben führen,

eine soziale Position innehaben,

ein guter Bürger sein,

Keinesfalls unter 50 Jahre alt sein etc.

Natürlich war es schwer, sich da einzuordnen. So mancher Dichter scheiterte an der nordischen Tugend –

Zola war ein Naturalist,

Tolstoi ein Anarchist,

Gorkiein Kommunist,

Hardywar ein Pessimist, ein Fatalist,

Valerywar so,

Rilkeund Hofmannsthal hatten zu viel Talent,

Traklund Kafka waren dekadent,

Joyce war etwas komplex,

Claudel ein fanatischer Katholik,

Poundein leidenschaftlicher Faschist,

arme Literatur!

Einen Nobel hattest du nötig?

Die Russen wurden vom Nobelpreiskomitee – im Gegensatz zu den verhätschelten Amerikanern – recht stiefmütterlich behandelt. Obwohl das über Tolstoi gefällte Urteil anscheinend zu einem Gewissenskonflikt beitrug, wagte man es nicht, einen russischen Kontemporären auszuzeichnen.
Gorki war zu rot,

Majakowskiwar zu rot,

und Jesseninwar zu rot.

Begabt waren sie auch, aber zu rot.
Auf der Suche nach einer bequemen Lösung – sie beanspruchte nur dreiunddreißig Jahre – stieß man auf die strenge Kunst des exilierten Aristokraten Bunin.

Seine Auszeichnung war gleichzeitig ein Schlag nach Moskau.
Fünfundzwanzig Jahre später, 1958, die Jahre der Konfrontation und des Kalten Krieges waren noch nicht restlos überwunden, folgte der zweite Schlag: noch nicht unter die Gürtellinie, aber wesentlich direkter. Man hatte sich in Stockholm entschieden, den Preis an den in der UdSSR lebenden Dissidenten Boris Pasternak abzugeben. Pasternak, ein in der russischen Erzählkunst beheimateter Autor und gleichzeitig ein exzellenter Lyriker hatte einen relaistisch-kritischen Roman unter dem Titel „Doktor Schiwago“ geschrieben, der in der UdSSR nicht veröffentlicht werden durfte, da er die Auseinandersetzung des Individuums mit der sozialistischen Revolution zum Thema hatte. Der Roman kam auf Umwegen in den Westen und wurde von einem kommunistischen Verlag in Italien erstmals gedruckt. In kurzer Zeit wurde er zum Bestseller.

Inwieweit die Preisvergabe, die eigentlich nicht zustande kam, da sich die Behörde der Sowjetunion querstellte, als gezielt politischer Akt gewertet werden kann, ob dieser Tat eine bewusste Provokation zugrunde lag, mag der eigenen Interpretation überlassen bleiben. Jedenfalls kann sie als solche gedeutet werden; besonders unter Berücksichtigung der Tatsache, dass weitere Preise an Solschenizyn, Sacharov (Frieden) und Milosz (Polen) gingen, genau zum Zeitpunkt politisch-sozialer Veränderungen. Anscheinend wollte man durch die Preisvergabe an Scholochow eine Versöhnung mit der Sowjetregierung herbeiführen, die in der Pasternak-Sache entstanden war. Scholochows Werk ist konformistisch.
Was bei Bunin anklang, bei Pasternak deutlicher wurde, fand 1970 mit der Preisverleihung an den bereits bekannten Dissidenten Solschenizyn – Cruschtschow hatte die Veröffentlichungseines „“Iwan Denissowitsch“ ermöglicht – seine Vollendung. Durch seine Bücher die in aller Welt mit Erfolg veröffentlicht wurden, wurden die sozialistischen Realitäten des Sowjetsystems bekannt, eine Tatsache, die die Weltöffentlichkeit gegen die Sowjetpolitik ins Feld führte. Die Kampagne diente vor allem der vom amerikanischen Kongress gestarteten Menschenrechtspolitik. Gleichzeitig baute sie den in Westeuropa zur Krankheit gewordenen Antiamerikanismus ab. Indirekt erarbeitete sich Amerika durch diese Manipulation – Solschenizyn spielte lediglich die vielleicht weniger bewusste Rolle eines Werkzeugs, eines Mittels zum Zweck – starke moralische Vorteile.
Noch in demselben Klima der ideologischen Konfrontation überreichte man 1975 dem anderen russischen Dissidenten, dem Vater der Wasserstoffbombe, für seine Verdienste in Sachen Frieden, den Friedensnobelpreis.




Der Beitrag "Nobelpreise" wurde für "nomen", Zeitschrift für Kultur, Nr. 2,
im Jahr 1983 geschrieben


und 1984 in der Berliner Literaturzeitschrift Vis-á-Vis (Laser Verlag)veröffentlicht.

Mehr zum Thema Kommunismus hier:
Allein in der Revolte -
 Carl Gibsons neues Buch
zur kommunistischen Diktatur in Rumänien -
über individuellen Widerstand in einem totalitären System.


 Allein in der Revolte -
im Februar 2013 erschienen.

Das Oeuvre ist nunmehr komplett.
Alle Rechte für das Gesamtwerk liegen bei Carl Gibson.
Eine Neuauflage des Gesamtwerks wird angestrebt.
 Carl Gibson

 Allein in der Revolte, Buchrückseite



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Fotos von Carl Gibson: Monika Nickel














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