Freitag, 9. November 2012

Schriftsteller, geistig Prostituierte und „nützliche Idioten“

Carl Gibson:

Schriftsteller, geistig Prostituierte und „nützliche Idioten“


Essay zur geistigen Situation der „Zeit“ und ihres „Geistes“

Es gibt Schriftsteller, Schriftsteller … und „Schriftsteller“.
Die ersten aus dieser Hierarchie der literarisch Kreativen, sozusagen die Klassiker der Schreibenden Zunft, verfassen ihr Werk um des Werkes willen, textimmanent, im ehernen Glauben an Gehalt und Gestalt, bemüht, über das Bestehende hinaus zu gehen, um Neues zu schaffen. Alter Wein in neuen Schläuchen behagt ihnen ebenso wenig wie neuer Wein in alter Form. Von Verstand, Vernunft, von Logik und Verifizierbarkeit geleitet versuchen sie, die Sprache auslotend neue Wege zu gehen, geistige Werte zu schaffen, Substanz, ohne Rücksicht auf die Rezeption ihrer Werke durch Akklamation der Literaturkritik oder der Leserschaft.

Wahre Kunst ist kompromisslos – und sie wird ausschließlich vom Gewissen des Schriftstellers diktiert, der sich nicht beirren lässt, auch wenn ihm das Lob der Massen ein Leben lang  versagt bleibt oder die sonst bestellten Lobhudler ausbleiben.
Diese Kaste unter den Schriftstellern hat es schwer in unserer Zeit. Die großen Ehrungen und Preise werden ausbleiben, eben weil der Geschmack der Zeit entscheidet und das Zeitgemäße nur sich selbst adelt – das, was modisch als Wert empfunden wird.

Zur zweiten Gruppe der Schriftsteller gehören die eindeutig „politischen Schriftsteller“.

Sie zeigen Haltung,
sie haben einen Hafen, eine politische Heimat,

doch sie haben vor allem eine Mission:
Sie wollen verändern – das Land, in dem sie leben,

die Gesellschaft, ihr Umfeld, ja selbst die ungerechte Struktur der Welt.

Literatur ist für sie ein Mittel zur Aufklärung,
ein Medium, um Menschen aller Nationen zu erreichen,
ein Instrument, Werte zu vermitteln und Werte darzustellen – über Geist und Kunst.

Nicht das bestimmt ihr ethisches Tun und Handeln, was man früher abwertend „Tendenz“ genannt hat, sondern der aufrichtige Glaube an ihre innere Mission, an ihre gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeit in Freiheit, nur der Wahrheit verpflichtet.
Letztendlich gibt es da noch eine dritte Kaste unter den so genannten Schriftstellern der Jetztzeit– die rezeptionsorientiert schaffen,
Huldiger des Zeitgeistes,
Dichter, Poeten, die das produzieren,
was die Zeit will,
was Geld einbringt,
was ihnen und anderen nützt,
auch wenn sie dabei ihre Seele verkaufen und den letzten Rest ihrer kümmerlichen Identität preisgeben.

In dieser letzten Kategorie der Verräter des Geistes und der Kunst gibt es da noch eine unterste Schublade, die von Parias besetzt wird.
Für diese Parias, denen noch andere Assassinen des Geistes zuarbeiten, ist Literatur nur ein Mittel zum Zweck,

ein Instrument, um ihre egoistischen Antriebe zu befriedigen,
um im Rampenlicht zu stehen, um gut“ zu leben, auch wenn dabei das Mammon geopferte Gewissen und das eigene Seelenheil auf Dauer Schaden nehmen.

Das sind die „Prostituierten des Geistes und der Kunst“, dubiose Charaktere des Wortes und der Sprache, die sich selbst zum Werkzeug erniedrigen, damit andere über sie zum Endzweck gelangen.
Der Puppenspieler zieht an den Strippen – die Marionette muss tanzen.
Sie hat keine andere Wahl, weil sie von Anfang an nur Puppe ist und ewig eine Puppe bleiben wird.

Versagt sie, wird sie ausgetauscht. Der Puppenspieler findet schnell Ersatz.
Während echte Aufklärer und politische Schriftsteller à la Voltaire, Heine oder Nietzsche von „intellektueller Redlichkeit“ und „innerer Wahrhaftigkeit" bestimmt gegen den Geist ihrer Zeit und gegen die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Tage anschrieben, mutig und stets kritisch, üben sich die Parias der Neuzeit in duckmäuserischer Servilität, einmal dem einen Herren dienend, einmal dem anderen.

Als schnöden Opportunisten von Anfang an ist es ihnen egal,
ob sie einem Despoten Untertan sind oder einer demokratischen Partei,

Hauptsache, das Haben auf dem Auszug stimmt,
auch wenn das Sein auf der Strecke bleibt.

Für dieses zerstörerische Selbstopfer erfreuen sie sich am Schein, so lange, bis der Nimbus als Schein des Scheins zerstiebt.
Täuschung der anderen ist ihr Programm.
Selbsttäuschung ist die selbstmörderische Konsequenz davon.

Heiligt der Zweck alle Mittel?
Damit der Strippenzieher selbst gut dasteht, äußerlich rein bleibt, wenigstens so lange man sein Werk nicht durchschaut, wird die Puppe lügen müssen.

Sie wird Wahrheiten verkünden müssen, die eigentlich Lügen sind.

So wird dieser Typus Schriftsteller zum „nützlichen Idioten“ eines politischen Systems, einer Partei, eines Staates.
Woran erkennt man diesen „Staatsschriftsteller“?

An seinen Federn?
An seinen Werken?
An seinen Taten?
Nein, nein!

Man erkennt ihn an seiner Haltung gegenüber den Mächtigen!
Er wird das System, das ihn trägt und gewähren lässt, nicht kritisch angehen, weder ideologisch, philosophisch, geistig, noch durch Geißelung oder Anprangerung von Verfehlungen aktueller Akteure der Politik.

Wie revanchiert sich die Macht?
Sie überschüttelt ihre Puppe mit höchsten Ehrungen, obwohl die Lügenwelt des Puppenspiels längst durchschaut ist, während die Kritiker der korrupten und pseudodemokratischen Regime leer ausgehen.

Die Staaten nominieren „ihre“ Schriftsteller auch auf internationaler Ebene bis hin zum Nobelpreis – und sie setzen diese in diskreter Machtausübung wahrscheinlich auch noch durch!?

Honi soit qui mal y pense!

Heuchelei hat immer schon Hochkonjunktur – seit Menschengedenken, lange vor den sophistischen Machtmenschen und Machiavelli.
Immer, wenn der Wille zur Macht sich selbst zu verwirklichen sucht, bedarf es des Schriftstellers, des „nützlichen Idioten“, um diesen Prozess mit zu ermöglichen und zu rechtfertigen.

Blicken wir uns doch um – wer wird geehrt?
Wer geht leer aus?

Damit diese „nützlichen Idioten“ nicht als die Handlanger und Helfershelfer auffallen, die sie in ihrem tiefsten Wesen tatsächlich sind, rufen sie „Haltet den Dieb“ und beschimpfen in schäbiger Deviation ihre Kritiker als „nützliche Idioten“ - in der Hoffnung, das billige, auf Effekthascherei gestützte Ablenkungsmanöver möge die oberflächlichen Köpfe verwirren und das Täuschungsszenario der Lüge noch eine Weile verlängern.
Doch Fakten sind Fakten – und die Wahrheit lässt sich nicht für alle Zeiten aus der Welt verbannen.

Wenn die Substanz letztendlich zum Licht dringt, wird der Puppenspieler, um sich selbst zu retten, sein Spielzeug fallen lassen wie die zu heiß gewordene Kartoffel.
Der selbstverliebte Wille zur Macht findet seine Grenze an Ethos und Wahrheit, die David über Goliath triumphieren lässt … und über Leviathan.



 
Carl Gibson, Bücher
 
 
 
 
 Carl Gibson liest im privaten Kreis aus
 
"Allein in der Revolte".
 
(Foto:Monika Nickel)


©Carl Gibson

Sonntag, 7. Oktober 2012

Die Lüge webt im Spiegel der Zeit


Carl Gibson:

 
Die Lüge webt im Spiegel der Zeit

 

Doch wird sie auch triumphieren?

Schau in den Spiegel der Zeit
Hetaera Esmeralda,

und erkenne,

was sie aus dir gemacht haben,
der Spiegel und die Zeit!

 

Das Licht der Wahrheit,
das du nicht erträgst,

verbrennt die zarten Flügel dir im Höhenflug.

Von Hybris voll stiegst du auf wie Ikarus,
kometenhaft aus einem Nichts hin zum Zenit,

in ewiger Angst
ins gleiche Nichts zurückzufallen.

 
Prophetisch ist die Ahnung.

 
Dein Gewissen nagt nach innen,

ja, die Lüge lebt,
eine Weile noch

bis der Schein des Scheins zerstiebt
gleich Nebelrauch in höheren Sphären.

 
Was gut ist,

wird bald reifen,

was faul ist wird vergehen.

 
Glück bricht wie Glas,

es fällt in Scherben,
war es nicht rein begründet.

 

Auch Trug erfüllt die Herzen nicht,
noch tröstet Täuschung eine kranke Seele,

die mit dem Körper leidet

 
Auf Sodom, Gomorra, Babylon,

folgt der jüngste Tag der Rechnung

für falsches Zeugnis.

fremde Federn, Drachenzungen.

Die Welt wird taumeln,

Ikonen werden stürzen,

war ihr Fundament auf Sand gebaut

in den Hades, zu den Nagern, zu den Knochen,

hinab in die Vergänglichkeit.

Ein Trost verbleibt - Was dich zerbricht, hat andere schon zerbrochen,

dich hebt, dich trägt und dich verdirbt die Zeit.

 
  Carl Gibson
 
 
 

 

 Foto: Monika Nickel

©Carl Gibson

 

Ich lüge, also bin ich - Hommage an Descartes

Carl Gibson:





Ich lüge, also bin ich

Hommage an Descartes


Leute gibt es, die gut mit der Lüge leben.

Selbst in schwerer Krankheit,

im Angesicht des Todes, lügen sie weiter,

weil die Lüge zum Wesen geworden ist,

zum eigentlichen Element.


Sie lügen, weil sie einmal logen,

sie lügen, weil sie zum Lügen erzogen wurden,

weil ein verlogenes System ihnen das Lügen beigebracht hat,

als Überlebensstrategie

als Methode,

als das Mittel, zum Endzweck zu gelangen.


Also logen sie weiter,

mit dickem Fell und gutem Gewissen,

mit dem Gewissen der Täuscher.


Selbst als die Lüge längst durchschaut war,

hielten sie immer noch an ihr fest,

als Überlebensstrategie

als Methode,

als das Mittel, zum Endzweck zu gelangen.



Wo keine Welt war,

erfanden sie eine Welt,

wo keine Wahrheit war,

erfanden sie etwas

und gaben dies dafür aus.


So wurde die Erfindung zur Wahrheit

und alle, die an dieser Wahrheit zweifelten zu Lügnern.


De omnibus dubitandum est?

Clarus et distinctus?


Das Licht fällt in die Dunkelheit zurück,

der Schleier vernebelt die Sinne.

Ein Blick in den Spiegel offenbart die Fratze,

die Eigentlichkeit in der Uneigentlichkeit,

den Ungeist der Lüge in der Welt

als Geist der Zeit.

Die Guten und Gerechten tragen alles mit.


Werte stürzen,

Freiheit endet im Sarg.


So wird Tyrannis möglich.



© Carl Gibson

Samstag, 13. August 2011

In memoriam "Bau der Mauer" in Berlin

Zur möglichen Renaissance des Kommunismus in Deutschland - nach 100 Millionen Opfern weltweit?




Foto: Monika Nickel

Auf den braunen Totalitarismus folgte der rote - Reste der "Berliner Mauer", 
entdeckt: 
1000 Kilometer südlich der deutschen Hauptstadt
irgendwo in Südbaden - sie erinnern und mahnen.



Ein Gespenst geht um - das Gespenst des Welt - Kommunismus!

Wer hat die Mauer gebaut - die Amerikaner? Deutsche Jugendliche wissen es nicht mehr.
Wer war Michael Gorbatschow? Russische Jugendliche zucken verwundert mit den Schultern!

Kaum sind Mauer und Eiserner Vorhang gefallen,
angeblich für immer,
und schon wollen linke Demagogen ihn wieder haben:
den Kommunismus als Erlösungsmodell der Menschheit -
nach nur 20 Jahren Abstinenz!

Die Forderung ist ungeheuerlich,
eine schamlose Verhöhnung der Opfer - und das noch im Namen der


"Gerechtigkeit"!

Gerechtigkeit? Gerechte Gesellschaft?

Wie gerecht war der SED-Staat unter Ulbricht und Honecker?

Wie gerecht waren alle anderen Diktaturen Osteuropas
und
vor allem jene paradigmatische des großen Völkergefängnisses Sowjetunion?

Was brachte der Weltkommunismus der Menschheit?
Annähernd 100 Millionen Tote?

Allein während der Herrschaft von Stalin, Mao und Pol Pot gab es diese Opfer - wer bilanziert schon weltweit?
Und was machen die Deutschen daraus - nach vier Jahrzehnten der Teilung,  nach Mauerbau und nach allen Terror-Erfahrungen der SED-Diktatur?

Sie lassen es zu, dass eine neue Romantik aufkommt,
eine Sehnsucht nach dem Wiedererwachen des Kommunismus
auf deutschem Boden,
ohne zu erkennen,
dass Kommunismus Diktatur bedeutet,
also das Gegenteil des demokratischen Rechtsstaates.

Zur Erinnerung:

Foto: Carl Gibson

Das war der Kommunismus - Am "Eisernen Vorhang" bei Sopron an der ungarisch-österreichischen Grenze, heute ein "Mahnmal"!

Wer Abkühlung nötig hat,
der möge nach Moskau blicken,
wo uneingeschränkte Despoten wie Putin willkürliche Prozesse abrollen lassen
oder
nach Minsk, wo Lukaschenko, der "letzte Diktator Europas" seine politischen Gegner aus der Opposition krankenhausreif prügeln und danach noch verhaften lässt.
Dort ist Kritik angesagt -
oder in China,
wo die elementaren Menschen- und Bürgerrechte immer noch mit Füßen getreten werden, trotz wirtschaftlichem Liberalismus.


Wehret den Anfängen!

Und hört euch die alten SED und Stasi- Parolen an:
... die Partei, die Partei hat immer Recht, denn wer kämpft für das Recht
 hat immer recht ...

Etwa auf "youtube: http://www.youtube.com/watch?v=OPNin0-dLVE
(Link wurde deaktiviert!)
Die repressiven Apparate der roten Diktaturen KGB,
Staatssicherheitsdienst der DDR,
die Securitate Ceausescus etc. lassen grüßen!
Die Rechts- und Gerechtigkeitsauffassungen der Kommunisten sind doch  bekannt?
Oder?

Man muss nicht unbedingt ein Historiker sein und auch kein Zeitzeuge, der den Terror der Roten in der Zelle erlebt hat, um zu wissen,
was der Kommunismus war.

Leider ist die verbrecherische Geschichte des Kommunismus weltweit noch nicht aufgearbeitet, auch aus praktisch- pragmatischen Gründen.
Cui bono?

Den "alten Seilschaften" aus der Stasi und der SED mit ihren Blockparteien, 
Chamäleons und Wendehälse,
die heute - nach erfolgreichem Wandel wieder in Amt und Würden sind, innerhalb der Wirtschaft , aber auch innerhalb der SED- bzw. PDS-Nachfolgepartei DIE LINKE.

Das Berufen auf "Gerechtigkeit" ist reine, von Ressentiments getragene Demagogie -
ebenso wie der entschuldigende Hinweis a posteriori, DIE LINKE habe sich vom "STALINISMUS" distanziert - und damit BASTA!

So einfach ist das nicht!
Wann endete der verbrecherische Stalinismus?
1989, mit dem Fall der DDR und des kommunistischen Imperiums Sowjetunion?

Wer den Kommunismus als "politisches Ziel" anstrebt, agiert nach meiner Auffassung hetzerisch, demokratiefeindlich und verfassungskonträr.

Was ist mit den Führungspersonen, die den Kommunismus in der DDR und sonst wo im Ostblock mitgetragen haben, die die verbrecherischen Befehle an ihre Geheimdienste formulierten, die Rechtsbeugung anordneten?

Wehret den Anfängen – Wegschauen ist der falsche Weg! 
Lassen wir es nicht zu, dass Demagogen von links oder rechts - an billige Masseninstinkte appellierend - den demokratischen Rechtsstaat untergraben. 


Foto: Carl Gibson

Für Frau Lötzsch (DIE LINKE) und andere Romantiker des Marxismus-Leninismus aus DIE LINKE:

"Maschendrahtzaun" - Relikte am "Eisernen Vorhang" bei Sopron - an die Verbrechen des Kommunismus erinnernd.


Die unverantwortlichen Parolen einer Brandstifterin aus der Partei DIE LINKE zeugen von dem Geist der politischen Vereinigung, hinter welchen der Ungeist eines
Marx, Lenin und Stalin lauert,
Hetze und Spaltung
und dahinter sogar das Verbrechen.


Der "Kommunismus" darf - ebenso wenig wie der "Nationalsozialismus" oder der "Faschismus" nie wieder als "politisches Ziel" angestrebt werden!


Alle diese totalitären Weltanschauungen führen zu Unfreiheiten, Terror und Diktatur.




Die Opfer des Kommunismus müssen die Dinge schonungslos beim Namen nennen und weiter aufklären.

Wenn solch verfassungsfeindliche Parolen bereits 20 Jahre nach dem Fall des Kommunismus in Osteuropa und in der Sowjetunion möglich werden,
dann zeugt dies von einer noch nicht erfolgten Vergangenheitsaufarbeitung.
Die Bewältigung des Kommunismus kommt noch auf uns zu.



Foto: Privatarchiv Carl Gibson

Ehemaliger antikommunistischer Bürgerrechtler Carl Gibson an der
"Mauer in Westberlin"
im Jahr 1981.
Der Kommunismus schien noch für 1000 Jahre fest zementiert.

Im Hintergrund: Der "Todesstreifen".

Die Mauer - Opfer mahnen!

An dieser Stelle starben Menschen, nur weil sie den Ausbruch in die Freiheit wagten.


Mein Plädoyer für die Freiheit - nur wer sie nicht hatte, weiß ihren Wert zu schätzen.
( Carl Gibson, Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. 2008.)

Die Opfer der beiden Diktaturen auf deutschem Boden im 20. Jahrhundert sollen nicht umsonst gewesen sein. 


Dort, wo die Würde des Menschen bedroht wird, ist Widerstand angesagt - überall, weltweit.





P.S. Eine leicht veränderte Fassung dieses Kommentars auch auf:


http://www.carlgibsongermany.wordpress.com/

Copyright: Carl Gibson


Sonntag, 31. Juli 2011

Philosophie des Weges - poetischer Spaziergang durch die Welt des Schönen


Beobachtungen eines Philosophen 
vom Bad Mergentheimer "Philosophenweg" aus

am und im Kurpark von Bad Mergentheim an der Tauber

- mit Carl Gibson als Cicerone.




Wege - Gärten – Parks – Wasser – Geschichte – Kultur


Der Weg ist das Ziel


  Foto: Carl Gibson
Im "Japanischen Garten" – Ruhe und Kontemplation.

Rückbesinnung auf die Lehre des Buddha,
auf die Ethik des Shintoismus und Taoismus.



Foto: Carl Gibson

                               Die Natur und ihre vier Elemente:
         Wasser, Erde (Stein), Luft und – verborgen im Erdinnern – das Feuer.


Foto: Carl Gibson

Ausschnitt aus der Schöpfung – der "creatio imperfecta".
Alles ist im Werden.

Wer ins nahe Bad geht oder aus dem Bad kommt, kann hier innehalten, verweilen, ausruhen und nachdenken - über die Zeit und über die Heimsuchungen unserer modernen Zeit.

   

   Foto: Carl Gibson

Japanische Stele und Licht im Bambus


Foto: Carl Gibson

Panta rhei – Alles fließt - nicht erst seit Heraklit, im Orient und Okzident.

Japaner kommen gern in das an der Romantischen Straße gelegene Bad Mergentheim, das städtepartnerschaftliche Kontakte nach Japan unterhält.


Foto: Carl Gibson

Unter Rosen - "Locus amoenus" - der schöne Ort.


"Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheim gegeben,
wird zum wahren Leben nicht mehr taugen,
wer die Schönheit angeschaut mit Augen.“
Graf von Platen

Foto: Carl Gibson

Ein springender Brunnen



Foto: Carl Gibson

Lapidarium im Kurpark – Steine aus aller Welt. Beständigkeit inmitten von Vergänglichkeit.




Foto: Carl Gibson

Religiöse Toleranz – Miteinander der Kulturen und Religion.

Das Denkmal erinnert an den Besuch des Gründers der Bahai-Glaubensgemeinschaft im Kurbad Mergentheim.

Foto: Carl Gibson

Stille – mit ruhendem Wasserspiegel

 
Foto: Carl Gibson


Refugium für Augenblicke der Einkehr und Meditation

Foto: Carl Gibson

…und steigt und fällt… Wasser-Fontänen

Foto: Carl Gibson

Wasser-Musik.
Symphonische Klänge im Widerhall der Seelen.


Foto: Carl Gibson

Im Rosenpark


Foto: Carl Gibson

Nimm dir die Zeit  … und denke über das Leben nach …

Tempus fugit – sagten die Alten. Die Zeit eilt auch heut’…mit und ohne uns...



Foto: Carl Gibson

Wasserspiel - 

Tiefe stille liegt im Wasser …

Hier steigt der Strahl …
und hier erklingt die Symphonie!




Das historische Mergentheim


Foto: Carl Gibson

Blick auf das Schloss des Deutschen Ordens und auf die historische Altstadt.
Fast 300 Jahre war Mergentheim die Residenz des Deutschen Ordens. 



Vor dem Fußmarsch am Morgen ins Büro fällt eine Entscheidung:

Welchen Weg werde ich – heute und überhaupt – einschlagen?
1.     Den schnellen Weg zum Ziel?

2.     Den schönen Weg?

3.     Den nützlichen Weg, den Um-Weg?

4.     Den bequemen Weg?




Im Alltäglichen entscheidet die Situation.
Im Leben entscheidet das Grundsätzliche.

1.   Weil ich es eilig habe, entschließe ich mich heute für den schnellen Weg zum Ziel, zum Arbeitsplatz und stürme los.

Die ersten hundert Meter im Zickzack durch den Hain den Berg hinunter bis zur Straße sind noch angenehm. Bäume spenden kühlenden Schatten und reichern die Luft mit Sauerstoff an. Nur fehlt die Zeit, innezuhalten und einen Blick auf die klugen Sprüche am Wegrand zu werfen.
Die Pflicht ruft. Gleich stoße ich auf die Straße, wo vor dreitausend Jahren Kelten Salz siedeten. Laut ist sie heute und staubig.

Hochgiftige Benzoldämpfe hemmen den Atem und stinkende Abwasserkanäle als Segnungen moderner Zivilisation.
Kliniken links und rechts erinnern an Leiden, Sterben und Tod.
Auch an die eigene Krankheit.

Noch ein paar rasche Schritte vor der neuen Entscheidung. Werde ich den kleinen Umweg nehmen und den schönen Weg durch den Kurpark gehen?

Die knappe Zeit spricht dagegen.
Keine Zeit für Muße, wo doch die Arbeit ruft!

Bequeme Wohlstandsbürger rasen in schnellen Autos an mir vorbei, belasten das Ohr, die Lunge und die fast schon tränenden Augen.
Ozon macht sich breit, der hier noch erträglicher ist als in der Großstadt.

An einer Fabrik vorbei, wo Menschen bereits hintern Fließband ihr tägliche Brot verdienen und vorbei an sterilen Einkaufsschuppen durchschreite ich einige öde Parkplätze und verschwinde dann in einem Bürohaus.
Momentan bin ich am Ziel.

Im Leben ist der schnelle Weg zum erstrebten Ziel nicht immer der einfachste; oft aber ist er der rücksichtsloseste.
Karriere um jeden Preis – auch mit der Brechstange?

2.     Der schöne Weg

Diesmal entscheide ich mich – im Einklang mit Kant und den Utilitaristen - für die Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen und wähle den schönen Weg, der zugleich ein kleiner Umweg ist.

Gleich trete in ein in die Welt des Schönen, Erquicklichen und Beruhigenden und richte den Blick auf eine Quelle zur Linken,

Foto: Carl Gibson


Und dann zur rechten auf eine Fontäne, die aus dem Granit sprudelt:


Foto: Carl Gibson

Das Wasser plätschert ruhig dahin und sagt mir, dass die Arbeit auch noch einige Minuten warten kann.


Selbst auferlegter Stress muss nicht sein.
Der Infarkt muss nicht unbedingt forciert werden.

Was treibt mich an?
Die verrinnende Zeit?
Die Sucht nach Macht und Geld?
Nach Ruhm und Ehre?

Der steigende und fallende Strahl erinnert an die Vergänglichkeit aller Dinge –
und an die Relativität vieler Werte und Ziele.

Was ist wertvoll?
Und was ist verwerflich?
Was dient der Gesundheit?
Und was fördert das Leben?

Ergreifende Verse fallen mir ein und große Gedanken!

Wie schön ist es, wenn Menschen einen Sinn für Philosophie haben und für Poesie!



Foto: Carl Gibson


Sonnenstrahlen durchfluten den Park und suchen sich ihren Weg durchs dichte Geäst, vorbei an blühenden Kronen singenden Vögeln in den Zweigen:


Ein springender Brunnen erhebt die Seele und erfüllt den Tag mit Freude.

Gedanken formen sich und suchen den Sinn im anbrechenden Schaffens-Tag und über den Tag hinaus.

Was werde ich heute angehen?
Welche Aufgaben sind zu bewältigen, welche kurzfristigen Ziele sind zu erreichen?

Und wie verhalten sich diese Zielsetzungen zu den letzten Zielen?

Ist die Existenz planbar wie der profane Weg?
Oder ist alles dem Zufall unterworfen?

Sind wir Menschen letztendlich frei?
Oder bestimmt eine metaphysische Instanz unser Sein?

Fragend schreiten wir in den Tag – und handeln gehen wir ihn an.


3. Der Um-Weg

Den geraden Weg zum Ziel von daheim zunächst in die Stadt und darüber hinaus später auch in die Welt kann der Mensch oft nicht unmittelbar gehen, weil natürliche Hürden ihn davon abhalten.
Er muss Umwege gehen
und
manchmal auch Holzwege beschreiten,
hinein in Sackgassen und wieder hinaus ans Licht der Lichtung.

Der Mensch wird ewig irren auf seinen Erkenntnis-Wegen ins Leben
im strebenden Bemühen –
und fast immer sind es Umwege, die er auf seinem Hineintasten in die Welt beschreitet.

Also wähle auch ich heute den großen Um-Weg,
weil er noch nützlicher ist als schön.

Und weil er – neben den Genuss des Schönen in der Natur - die Gesundheit des Leibes noch mehr fördert als den Gleichklang der Seele im Betrachten der Schönheit.


Foto: Carl Gibson


Mens sana in corpore sano?

Im gesunden Körper wohnt die gesunde Seele.
Und ein krank gewordener Leib macht irgendwann auch die Seele krank.

Bereits die alten Griechen um Hippokrates, Theophrast und Aristoteles hatten die psycho-somatischen Wechselwirkungen erkannt.

Da vieles im Dasein des Menschen anthropologisch konstant ist,
gelten die Zusammenhänge auch noch in unseren Tagen.

Ein beweglicher, sportlicherMensch,
der höchste Höhen erklimmen und in tiefste Tiefen tauchen kann,
der sich seine Welt erwandert und die Existenz auslotet,
ist in der Regel heiter, froh, ausgeglichen und zufrieden mit seinem Sein.
Er lebt im Einklang mit der Natur und dem Umfeld,
während ein physisch Leidender bald auch an der Seele erkranken kann.

Missmut, Unzufriedenheit mit vielen Dingen, Traurigkeit, Wehmut, ja selbst Melancholie, heute endogene Depression genannt, sind Folgen davon.

Was hilft gegen Verstimmtheit und grundlose Traurigkeit?

Bewegung,
eine gesunde Ernährung –
und das richtige Denken!

Dss wird oft vergessen: Am Anfang steht das Denken.
Sind die Weichen ins Leben falsch gestellt, läuft auch alles schief.

Das Denken?
Damit verhält es sich etwa so wie mit dem Schreiben!

Jedermann glaubt es zu beherrschen und ausüben zu können!
Und er kann es auch – nur bis zu einen bestimmten Grad und Dimension.

Tieferes Denken mit tieferen Einsichten aber bleibt denjenigen, die mit dem Oberflächlicheren auszukommen trachten, fremd. Nicht aus Ignoranz, sondern nur deshalb, weil die Gesellschaft ihre Mitglieder nicht dazu erzieht.

Denker, Philosophen … wozu?

Die Philosophie ist aus den Schulen verbannt!

Trotzdem wundern sich die Verantwortungsträger in Politik und Staat,
wenn ihre Gesellschaft nicht funktioniert – oder wenn ein oberflächliches und defektes Denken eine kranke Gesellschaft nach sich zieht.
Kranke Individuen bilden einen kranken Staat.

Misstraue jedem Gedanken, der nicht in Bewegung entstanden ist,
sagt an einer Stelle Nietzsche, ein Spätzeitphilosoph, der viel über Gesundheit und Krankheit – auch in Staat und Gesellschaft – nachgedacht hat.

Wer die täglichen "dreitausend Schritte" hinter sich bringt,
die Pfarrer Kneipp von Wandernden einfordert,
hat viel Zeit zum Nachdenken –
über die große Gesundheit,
über Krankheit und Dekadenz.

Und der Schöne Schein am Wegrand wird ihn nicht davon abhalten,
den Realitäten in die Augen zu sehen, die den Lauf der Welt bestimmen.

Schönheit lenkt nicht nur ab vom Wahren.
Sie bildet den Kontrast dazu und ermöglicht erst wahrhaftige Erkenntnis.

Leiden und Sterben neben uns und vor unseren Augen
mit und ohne unsere Sympathie sind Phänomene,
denen wir uns nicht entziehen können.

Irgendwo ist die Kur- und Residenzstadt, die fast seit zwei Jahrzehnten meine Heimat ist, ein "Zauberberg", wo das Leben in Würde zu Ende gelebt werden kann,
wo aber auch gelitten und gestorben wird.
Das Dahinsterben und der Tod als Teil des Lebens sind mitten unter uns.

Der Weg zum Ziel ist manchmal - und wie so oft im Leben - ein Um-Weg.

Und das Ziel?

Ein sinnvoll gelebtes Leben im wesenhaften Sein – im Einklang mit dem Selbst.

Kurzfristige Ziele: Erfolg, Anerkennung, Laufbahn.

Langfristige Ziele: Glück, Erfüllung, Zufriedenheit, Einklang mit dem Kosmos.

Foto: Carl Gibson


 Unter Linden … können wir uns finden …
in Bewegung wie die Peripatetiker seit Aristoteles.

Philosophen-Weg und Pfarrer-Kneipp-Weg laufen hier zusammen –
und bilden einen gemeinsamen Weg wie zwei Menschen im Leben in der Ehe
oder in der Freundschaft,
die manchmal länger hält als das Leben selbst.

Foto: Carl Gibson

 Allee am noch nicht totgesagten Park



Foto: Carl Gibson


Weg durch die gestaltete Natur - Pappel-Allee am Schloss.


Foto: Carl Gibson

Wanderer, kommst du nach … Bad Mergentheim, dann sage …

Memento mori!

Nachdenklicher Brückenheiliger auf der Tauberbrücke aus dem Jahr 1745.



Foto: Carl Gibson


Wasser – das Lebens-Element,
nicht nur im Kur- und Heilbad ... 



Alles kommt aus dem Wasser – und in das Wasser kehrt alles zurück,
lehrte schon Thales von Milet ca. 700 v. Chr.

Gezähmtes Wasser - Kaskade am Tauberwehr – Steter Tropfen höhlt den Stein.
Der Kreis schließt sich.

An der Tauber, die fast noch urwüchsig und wild in natürlichem Umfeld vor der Stadt durchs Tal fließt.



P.S. : Dieses Projekt ( Philosophie des Weges  - Beobachtungen eines Philosophen 
vom Bad Mergentheimer Philosophenweg aus) entstand im Jahr 2008, konnte aber erst jetzt publiziert werden.
Alle Fotos stammen aus dem Jahr 2008.
Inzwischen ist noch mehr Wasser die Tauber hinab und bei Wertheim in den Main geflossen - also hat sich auch einiges verändert.

Wer Bad Mergentheim noch nicht kennt, wird durch die hier eingestellten Bilder vielleicht angeregt, herzukommen und zu verweilen. Dann wird er noch mehr Geschichte und Kultur erleben und manches erfahren, was sich an dieser Stelle nicht darstellen lässt. Fünf Sach- und Fachpubkikationen aus meiner Feder zum Thema Mergentheimer Geschichte, Daseinsvorsorge, Wasser, Brunnen und Quellen mögen mithelfen, die Materie zu vertiefen.
Carl Gibson


Mehr zur "Philosophie" von Carl Gibson in seinem Hauptwerk in zwei Bänden,
in:


 

"Symphonie der Freiheit"

bzw. in dem jüngst erschienenen

Allein in der Revolte.
Eine Jugend im Banat


Carl Gibson


Wahl-Nachlese in Baden-Württemberg

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